Wir Menschen

Wir Menschen sind doch seltsame Geschöpfe;
wir wandern wer weiss wie weit und suchen in
aller Ferne, was wir mit Händen greifen könnten.

Schönheit ist immer woanders, nie da, wo wir
gerade sind, die Wahrheit wohnt nicht bei uns,
sondern irgendwo in der Ferne.

Wir reisen ans Ende der Welt, um den Meister zu
finden, und gehen am Diener hochmütig vorbei.

Die einfachsten Dinge des Lebens, die Leiden
und Freuden des Alltags sind uns noch ein Buch
mit sieben Siegeln, dennoch streben wir nur
danach, den Schleier des Geheimen und Ver-
borgenen zu lüften.

Wir kennen uns selbst nicht, aber wir sind bereit
und willens, dem zu folgen, der uns einen Lohn,
eine Hoffnung, ein Utopia verspricht.

Wenn in uns selbst Verwirrung herrscht, kann
auch das, was wir aufnehmen, nur verworren
sein.

Solange wir halbblind sind, können wir nicht
klar sehen.

Was wir wahrnehmen, ist nur ein Teil, aber nicht
das Ganze, die Fülle.

Das alles wissen wir, dennoch ist unser Begehren
nach dem Höchsten und Letzten so übermächtig,
dass es uns in Wahn und bitteres Elend zu trei-
ben vermag...

Begehren bringt auch auf höchster Ebene immer
Zwietracht und Pein...

Unser Leben ist Unglück und eitler Wahn, allzu
selten sind jene lichten Augenblicke, in denen
uns die Freude reinen Seins durchströmt, daher
nehmen wir so eifrig jede Lehre in uns auf, die
uns, wenn auch nur von ferne, einen sicheren
Hafen zeigt.

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