possession

Warum kann der Mensch nicht loslassen? Weshalb fällt es ihm so
schwer, sich von Dingen oder Lebensumständen zu befreien,
welche ihn einengen und unfrei machen? Als ich diese Frage
versuchte zu beantworten, stellte ich fest, dass es mir half, meine
eigene Schwäche schmerzhaft mir bewusst zu werden, denn auch
ich häufte in erster Linie immer Angst. Denn aus Angst kann ich nicht
loslassen. Und das führt zur Sucht, nämlich zur Sucht, alles haben zu
müssen, was mir helfen kann, angstfrei zu leben und mir das bestimmte
Gefühl geben kann, unsterblich zu sein: Eigentum, Macht, Ansehen.
Aus Angst und in tiefer Erkenntnis der eigenen inneren Wertlosigkeit
häufte ich in der Aussenwelt Sammlungen und Besitztümer an.

Aber es reichte nie, denn in Wirklichkeit geht es nicht um die äusseren
Dinge, die sind nur Ersatz für die innere Leere. Es ist das tiefe Wissen
der Wertlosigkeit. Man fühlt sich im Inneren immer noch nicht sicher,
denn alles Äussere könnte man immer noch verlieren, durch
Naturereignisse, Börsencrashs, Verbrechen oder Krankheit,
spätestens aber werden wir es alle durch den Tod verlieren.

Wie fühlt es sich an, zu erkennen, dass das Wertvollste und Wichtigste
ist, eine seelische Stärke zu erlangen, die alle Schicksalsschläge
ertragen lässt? Man muss lernen und verstehen loszulassen. Denn
nicht nur ich habe den Besitz, sondern er hat mich auch! Und wenn ich
mich mit ihm identifiziere, dann werde ich gleich wie er und somit
verschwinde ich mit und in ihm.

Lernen und verstehen loszulassen ist gut, vor allem bevor das Leben
einem dazu zwingt.


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