cramped nobody

Es ist einer der schönsten Texte, die ich in der letzten Zeit gelesen habe.

Ich musste nun fast vierunddreissig Jahre alt werden, um überhaupt spüren und sagen zu können, wann ich in einer Umwandlungsphase bin, und wann ich es nicht recht schaffe. Der Schlüssel zur Umsetzung liegt in der Weich- und Beweglichkeit des Herzens, der Freude (sowohl der eigenen als auch die der anderen) und manchmal auch der Traurigkeit (nicht Schwermut oder Melancholie.) Es ist eine spannende Sache, die für mich absolut innerkörperlich spürbar ist: Ich laste weniger um, schwanke weniger, löse Widerstände auf, bewege mich leichter. Mit anderen Worten, Gewicht wird zu Bewegung. Dann komme ich ab und zu sogar in Zonen, wo ich frei lenken kann und weit tiefer gehe als das Empfinden und Reflektieren der eigenen Gefühle, denn sonst drohe ich in Sentimentalität oder narzisstischen Schlingen mich festzubinden.
Permanente unzögerliche Entscheidungsbereitschaft ist Freiheit. Da steckt aber etwas ganz anderes drin, als wenn man sagt, man muss sich entscheiden können! Ich habe bis heute noch keinen Menschen getroffen, der vollkommen frei ist. Doch manche sind näher dran als andere. Mit der Zeit beginne ich dieses Bewegungsniveau in mir zu spüren und zu verstehen. Sowohl bei mir, wie auch bei anderen Menschen. Dies kann ich manchmal schon von weitem erkennen. Erst vor kurzem wurde ich mir bewusst, dass ich lange Zeit sehr unfrei mich bewegt habe und nun ich mich relativ weit lösen kann. Andere bleiben ungefähr immer im selben Modus mit nur Kleinen auf und ab stehen. Das Mutmachende an dieser Erkenntnis ist, dass die Freiheit n i c h t abhängig ist, von den Verkrampfungsgewohnheiten, sondern plötzlich eintreten kann. Das verstehen viele nicht, weil sie 'krankes' zu sehr festschreiben. Auch das Bild, das wir von anderen haben, ist fixiert; damit spricht man dem anderen, spontane Wandlungsfähigkeiten ab und möchte ihn so in seinem bis dato bekanntem Charakter und seinem bis dato vorhandenen Problemen anbinden.
In diesem Zusammenhang sehe ich mich in der Vergangenheit, als eine verkrampfte Frau, die missförmige Konturen in der Seele getragen hat. Ich konnte mich plötzlich lösen und nun bewege ich mich freudig, spontan und frei (und gefährlich wenn’s sein muss.) Umgekehrt sehe ich Menschen, die Gesundheit und Stärke nur so ausstrahlen, die locker, gerade und muskulös aussehen, jedoch diese sich aber nicht weiter lösen können und dann vor einem scheinbar permanent verkrampften Schwächling wie mich, die sich lösen konnte, die Flucht ergreifen.

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