Wach sein oder schlafen

Wach sein oder schlafen

Wach sein oder schlafen ist das Gleiche, aber
wenn du schläfst, fühlt es sich nicht so an.

Wenn du schläfst und der Gedanke des
Aufwachens dich zu interessieren beginnt,
kann es so aussehen, als gäbe es da etwas
Faszinierendes zu entdecken.

Das ist die Vorstellung, aus der sich spirituelle
Wege entwickeln.

Die Einbildung spinnt komplizierte Geschichten
von spirituellen Pfaden, und dahinter steht immer
die Vorstellung, dass es da etwas ganz Tolles zu
entdecken gibt und wunderbare Menschen um
die Wege sind, vorzugsweise in Indien, die es ge-
funden haben.

Eines Tages finde ich es vielleicht auch, und dann
verfüge ich über spezielle Kräfte und schwebe
ständig im höchsten Glück, und meine Freunde
werden grün vor Neid.

Es ist nur eine Geschichte, die mein Bewusstsein
spinnt, aber das werde ich wahrscheinlich nicht
erkennen, solange ich schlafe.

Es gibt viele die über Nondualität sprechen.

Viele nennen sich sogar Lehrer, und da würde ich
schon aufhorchen.

Es gibt nämlich hier nichts zu lehren.

Wir können nur versuchen, eine Art Beschreibung
zu geben – wohl wissend, dass Nondualität eigen-
tlich nicht zu beschreiben ist.

Da dem so ist, müssen wir zwangsläufig scheitern
und können die Sache folglich ganz ohne Stress
angehen.

Spirituelle Lehrer reden immer vom Werden, von
der Notwendigkeit der Verbesserung einer Person,
die sich unzulänglich fühlt.

Spirituelle Wege werden von Leuten beschritten,
die sich einbilden, sie müssten bessere Menschen
aus sich machen, um der Erleuchtung würdig zu
werden.

So manchen wir uns also auf einen spirituellen
Weg, um unsere Minderwertigkeit zu mindern,
aber in Wirklichkeit war nie jemand da, an dem
irgendetwas verbessert werden könnte oder sollte.

Die Wahlfreiheit erweist sich als Witz und entfällt
ganz einfach, sobald gesehen wird, dass niemand
da ist.

Wie könnte an dir etwas verbessert werden?

Tja

Tja

Tja, es gibt eben nur diese beiden Möglichkeiten:
sich der Sprache bedienen oder schweigen.

Nichts spricht dagegen zu schweigen, aber
manchmal kann das Reden ganz unterhaltsam
sein.

Nondualität ist auf keine Art und Weise in Worten
zu beschreiben, denn Worte sind entschieden
dualistisch.

Worte unterteilen alles in dies und das, hier und
dort, jetzt und dann.

Andererseits haben wir eben nur die Worte, um
uns über Dies auszutauschen.

Vielleicht können sie wenigstens in Richtung
Nondualität deuten und beim Ausräumen einiger
Missverständnisse helfen.

Vielleicht können Worte sagen, was Nondualität
nicht ist, und möglicherweise ergibt sich daraus
etwas Interessantes.

Zukunft

Zukunft

Ausnahmslos überall wird davon ausgegangen,
dass das Paradies erst in der Zukunft zu finden
sein wird.

Selten fällt dabei auf, dass diese Zukunft nicht
kommt, und logischerweise nicht kommen kann.

Das Denken kann nicht anders, als das Paradies
zu suchen.

Das ist seine Funktion.

Mit dem für das Denken typischen Gefühl des
Ungenügens vermag es das Paradies endlos
weiter in der Zukunft zu verschieben und die
Tatsache zu verschleiern, dass das Paradies
bereits da ist.

Daran ist nichts verkehrt.

Es muss so sein, solange eine Person da ist.

das Paradies

(no title)
Sehr verbreitet ist auch der Glaube, das Paradies
sei erst im Tod zu finden.

Und wie das sein wird, darüber weiss die Fantasie
wunderbare Geschichten zu erzählen, ein end-
loser Strom neuer Geschichten.

Geschichten mit Jungfrauen oder Kontakten
zuhauf.

Geschichten von nie endender Anbetung Gottes
zu Harfenklängen.

Schöne Landschaften sind auch sehr beliebt.

Vor ein paar Jahren habe ich eine Radio-
sendung gehört, in der ein sehr liebens-
werter alter Tasmanier von einer Nahtodes-
erfahrung berichtete, die er mit 14 Jahren
gemacht hatte.

Er befand sich in einer üppig grünen Landschaft
in der Nähe eines Flusses und sah verstorbene
Verwandte wieder.

Er fand es auch ganz natürlich, irgendjemanden
zu fragen: „Wenn das hier der Himmel ist, wo ist
dann Jesus?“ Und ohne Zögern kam die Antwort:
 „Da drüben. Er redet unten am Fluss mit einigen
Leuten.“

Aber eine Nahtodeserfahrung ist eben keine
Todeserfahrung.

Von den wirklich Verstorbenen hört man im Radio
nicht viel.

Ein Wunder

Ein Wunder


Ein Wunder ist immer anders, immer gleich.

Segen

Segen

Meine Hoffnung auf persönliches Glück und
Selbstvervollkommnung löst sich in Luft auf.

Das fürchten wir so sehr, wie wir es herbei-
sehnen.

Ich habe nicht die geringste Ahnung, wie das
Leben wohl sein könnte, wenn ich nicht mehr
da bin, und ob dann überhaupt noch ein Leben
sein kann; aber irgendetwas weiss, dass es
die winzige mögliche Erlösung ist.

Ich muss sterben, wenn der Trennungsschmerz
enden soll.

Deshalb wiederhole ich hier den grossen Segen,
den ich empfangen habe.

Ich hoffe, du stirbst bald.

Freiheit ist wunderbar

Freiheit ist wunderbar

Freiheit ist wunderbar.

Aber nicht für einen Jemand.

Deshalb kann niemand aus dem Verschwinden
des Ich einen Vorteil ziehen.

Das Verschwinden der Person ist ein Tod.

So vieles von dem, was der Verstand als ein für
allemal festen Bestandteil der Person gesehen
hat, entfällt plötzlich – Hoffnungen, Erinnerungen,
sogar die verhassten und doch irgendwie wohlig
vertrauten Neurosen.

Beziehung endet, Bedeutung endet, auf einmal
zeigt sich, dass dieses Leben auf gar nichts
hinausläuft.

Meine Überzeugungen, meine Wichtigkeit und
dieses Gefühl, irgendwohin unterwegs zu sein –
all das ist von einem Augenblick zum nächsten
zu Ende.

Was im Tod geschieht

Was im Tod geschieht

Was im Tod geschieht, bleibt unbegreiflich,
bis niemand mehr da ist, der es begreifen
will.

Alles ist Liebe

Alles ist Liebe

In der Freiheit wird gesehen, dass es nichts
als bedingungslose Liebe gibt, die als all das
erscheint, was ist.

Der Verstand wird eine Erklärung dafür finden
wollen, aber es gibt keine.

Es ist einfach so.

Wenn „ich“ als alles gesehen werde, ist darin
nichts anderes möglich als die Erkenntnis,
dass alles Liebe ist.

Aufwachen heisst

Aufwachen heisst

Aufwachen heisst, die Leerheit der Leere sehen.

Befreiung heisst, die Fülle der Leere sehen.

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