Durch den Ausschuss dessen

Durch den Ausschuss dessen

Durch den Ausschuss dessen, was Liebe nicht ist,
ist Liebe also.

Ich muss dann gar nicht fragen, was Liebe ist.

Ich muss ihr nicht hinterherlaufen.

Wenn ich ihr hinterher renne, ist sie keine Liebe,
sondern eine Belohnung.

Ich habe also ausgeschlossen, ich habe abge-
schlossen: in der langsamen, sorgfältigen und
nicht verzerrten Untersuchung all dessen, was
nicht ist, ohne jede Illusion, ist das andere.

Betrachten was nicht ist

Betrachten was nicht ist

In der Liebe gibt es keine Bindung; wenn Bindung
existiert, gibt es keine Liebe.

Der Hauptfaktor ist beseitigt worden, durch
Negation, durch das Betrachten dessen,
was nicht ist, durch den Ausschluss von
Bindung.

Ich weiss, was es in meinem täglichen Leben
bedeutet: keine Erinnerung an irgendetwas,
was mein Mann, mein Freund oder mein
Nachbar mir angetan hat – wie er mich
bedrängt hat, wie er mich umsorgt hat:
all die verschiedenen Dinge, aufgrund derer
Bewegung des Denkens Bilder erzeugt, all
das Anhaften, die Bindung an diese Bilder
ist verschwunden.

In meinem Selbstgespräch

In meinem Selbstgespräch habe ich also entdeckt,
dass Einsamkeit durch das Denken erzeugt wird.

Das Denken hat jetzt erkannt, dass es begrenzt ist
und das Problem der Einsamkeit nicht lösen kann.

Da es das Problem der Einsamkeit nicht lösen
kann – existiert Einsamkeit dann überhaupt?

Das Denken hat dieses Gefühl von Einsamkeit
hervorgebracht, diese Leere, weil es begrenzt
ist, bruchstückhaft, gespalten.

Und wenn es das realisiert, besteht Einsamkeit
nicht.

Das ist dann Freiheit von Bindung.

Ich habe nichts getan, ich habe die Bindung
betrachtet und was damit zusammenhängt –
Habgier, Angst, Einsamkeit, all das -, und
indem ich es beobachtet habe, indem ich
ihm auf der Spur geblieben bin, nicht durch
Analyse, sondern nur durch Sehen, Sehen
und Sehen, kommt es zur Entdeckung,
dass das Denken all das erzeugt hat.

Denken hat diese festhaltende Bindung
geschaffen, weil es fragmentarisch ist.

Wenn es das erkennt, hört die Bindung auf.

Das ist nicht das Ergebnis einer Bemühung,
denn in dem Augenblick, in dem man sich
bemüht, taucht wieder Konflikt auf.

Das Problem ist dann

Das Problem ist dann: Kann das Denken
erkennen, dass alles, was es tut, begrenzt
ist, bruchstückhaft und deshalb trennend
und isolierend wirkt, und dass alles, was
es tut, so wirken wird?

Das ist ein sehr wichtiger Punkt.

Kann das Denken selbst seine Begrenzung
erkennen?

Oder sage ich ihm, dass es begrenzt ist?

Das zu verstehen ist ganz wesentlich, das ist
der innerste Kern der Sache.

Wenn das Denken selbst realisiert, dass es
begrenzt ist, dann gibt es keine Abwehr,
keinen Verteidigungsmechanismus, keinen
Konflikt.

Es sagt dann einfach: „So bin ich.“

Wenn ich ihm aber sage, es sei begrenzt,
dann spalte ich mich selbst auch noch von
der Begrenzung ab, dann versuche ich, die
Begrenzung zu überwinden.

Dann kommt es zu Konflikt und Gewalt, nicht
zu Liebe.

Das Problem ist also

Das Problem ist also: Warum macht das Denken
das?

Liegt es im Wesen von Denken, dass es nur für
sich arbeitet?

Die Ausbildung bringt diese Isoliertheit mit sich;
sie verschafft mir eine bestimmte Karriere, eine
gewisse Spezialisierung und damit Isoliertheit.

Das Denken erzeugt die Isoliertheit, weil
es fragmentarisch ist, begrenzt und zeitlich
gebunden.

In dieser Begrenzung habe ich Sicherheit
gefunden und sage: “Ich habe eine besondere
Karriere in meinem Leben; ich bin Professor,
ich bin ganz geschützt und sicher.“

Meine Überlegung lautet dann also: Warum macht
das Denken dies?

Liegt es in seinem Wesen?

Was das Denken auch tut, es muss begrenzt sein.

Die grosse Energie

Die grosse Energie steht also zur Verfügung, um
die Frage zu beantworten: Warum gibt es diese
Einsamkeit?

Ich habe Ideen, Unterstellungen und Theorien
zurückgewiesen, dass sie geerbt sei oder durch
Instinkt entstehe.

All das bedeutet mir nichts.

Die Einsamkeit ist das, was ist.

Warum gibt es diese Einsamkeit, das jedes
menschliche Wesen, wenn es überhaupt
bewusst ist, an der Oberfläche oder ganz
tiefgreifend erlebt?

Warum entsteht sie?

Macht der Geist etwas, wodurch sie entsteht?

Ich habe Theorien über Instinkt oder Erbe als
Ursache abgelehnt und ich frage: Erzeugt der
Geist, der Verstand, das Gehirn diese Einsam-
keit, diese totale Isoliertheit?

Wird sie durch die Bewegung des Denkens
geschaffen?

Erzeugt mein alltägliches Denken dieses Gefühl
der Isoliertheit?

Ich sehe, dass das Denken die ganze Zeit darauf
hinarbeitet, sich selbst als überlegen hinzustellen,
und so wirkt der Verstand auf seine eigene Isoliert-
heit hin.

Gibt es so etwas wie Liebe?

Ich habe mit einem Dialog mit mir selbst
angefangen.

Ich habe mich gefragt, was diese merkwürdige
Sache ist, die Liebe heisst; alle sprechen davon,
viele schreiben darüber – all die romantischen
Gedichte, die Bilder, der Sex und alles, was zur
Liebe gehört.

Ich frage: „Gibt es so etwas wie Liebe?“

Ich stelle fest, dass sie nicht existiert, wenn es
Eifersucht, Hass, Angst gibt.

Also kümmere ich mich nicht mehr um Liebe;
ich kümmere mich um das, was ist: meine Angst,
meine Bindung.

Warum halte ich fest?

Ich erkenne, dass einer der Gründe – ich sage
nicht, dass dies der einzige oder ganze Grund
ist – darin besteht, dass ich verzweifelt einsam
bin, isoliert.

Je älter ich werde, desto isolierter werde ich.

Das beobachte ich also.

Es bedeutet eine Herausforderung, das heraus-
zufinden, und weil es eine Herausforderung dar-
stellt, steht alle Energie zur Verfügung, um dar-
auf zu reagieren.

Das ist einfach.

Wenn sich irgendwo eine Katastrophe ereignet,
ein Unglück oder sonst etwas und ich die Energie
habe, darauf zu reagieren, muss ich nicht fragen:
„Wie bekomme ich die nötige Energie?“

Wenn das Haus brennt, habe ich die Energie,
etwas zu unternehmen, ich habe ungewöhnlich
viel Energie, etwas zu unternehmen.

Ich lehne mich nicht zurück und sage: „So, jetzt
muss ich erst einmal die Energie bekommen.“

Und ich warte nicht einfach ab, weil sonst das
gesamte Haus niedergebrannt sein wird.

Nun möchte ich also verstehen

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Nun möchte ich also verstehen, warum ich einsam
bin, weil ich sehe, dass mich das abhängig macht.

Diese Einsamkeit hat mich gezwungen, ihr durch
die Bindung an dies oder jenes zu entfliehen, und
ich erkenne, dass das immer so sein wird, solange
ich einsam bin.

Was heisst es, einsam zu sein?

Was geschieht da?

Hat das mit Instinkt zu tun, ist das angeboren,
oder entsteht es durch mein Alltagsleben?

Falls es ein Instinkt ist oder erblich, dann ist es
Teil meines Schicksals, und ich bin nicht dafür
verantwortlich.

Doch das akzeptiere ich nicht so einfach, ich
hinterfrage es und bleibe bei der Frage.

Ich beobachte und versuche nicht, eine
intellektuelle Antwort zu finden.

Ich versuche nicht, der Einsamkeit zu sagen, was
sie tun soll oder was sie ist; ich warte darauf, dass
sie es mir sagt.

Da ist eine Achtsamkeit für die Einsamkeit, damit
sie sich selbst offenbart.

Sie wird sich nicht zeigen, wenn ich wegrenne,
wenn ich Angst habe oder wenn ich mich ihr
widersetze.

Also beobachte ich sie.

Ich achte darauf, dass sich kein Gedanke
dazwischen drängt.

Das achtsame Schauen ist viel wichtiger als
Gedanken, die hineinkommen.

Und da meine gesamte Energie mit der
Beobachtung dieser Einsamkeit beschäftigt
ist, taucht gar kein Gedanke auf.

Das Bewusstsein ist herausgefordert und muss
reagieren.

Da es herausgefordert wird, gerät es in eine Krise.

In einer Krise verfügen Sie über enorm viel
Energie, und all diese Energie bleibt Ihnen
erhalten, weil kein Gedanke stört.

Das ist eine Herausforderung, auf die man
reagieren muss.

Ich stelle fest

Ich stelle fest
Ich stelle fest, dass es keine Liebe geben kann,
wo Eifersucht herrscht; Liebe kann auch nicht
existieren, wo es eine festhaltende Bindung gibt.

Ist es mir nun möglich, frei von Eifersucht und
Bindung zu sein?

Ich erkenne, dass ich nicht liebe.

Das ist eine Tatsache.

Ich werde mich nicht selbst täuschen; ich werde
nicht so tun, als ob ich jemand liebe.

Aber ich merke, dass ich eifersüchtig bin und ich
weiss, dass ich sehr an ihn hänge.

In dieser Bindung steckt Angst, steckt Eifersucht
und Sorge; da ist das Gefühl der Abhängigkeit.

Ich möchte nicht abhängig sein, aber ich bin es,
weil ich einsam bin.

Ich werde im Büro herumgeschubst, bei der
Arbeit, und ich komme nach Hause und möchte
mich wohl fühlen und Gesellschaft haben, um
vor mir selbst zu entfliehen.

Nun frage ich mich: Wie kann ich mich von dieser
Bindung befreien?

Das ist nur ein Beispiel.

Man muss also herausfinden

Man muss also herausfinden

Man muss also herausfinden, wie man
zusammenleben kann ohne irgendeinen
Konflikt, ohne das Gefühl der Auseinander-
Setzung, der Anpassung, der Einschränkung.

Dazu gehört ein hohes Mass an Intelligenz
und Integrität.

Wir aber heiraten aufgrund von sexuellem,
biologischem Verlangen und so fort.

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