Das Unbekannte lässt sich nicht erleben

Das Unbekannte lässt sich nicht erleben.

Man kann darüber nachdenken, Betrachtungen anstellen
oder sich davor fürchten, aber unser Denkvermögen kann
es nicht verstehen, denn Denken ist das Ergebnis von
Bekanntem oder Erfahrung.

Weil also unser Denken etwas Unbekanntes nicht erkennen

kann, fürchtet es sich davor.

Solche Furcht muss solange anhalten, als unser Denken
danach trachtet, das Unbekannte zu erleben und zu
verstehen.

Vergleichen führt niemals zum Verständnis

(no title)

Vergleichen führt niemals zum Verständnis, es
ist nur eine Form von Ablenkung, geradeso wie
alles Urteilen Ausweichen bedeutet.

Soll die Wahrheit zutage treten, so darf unser

Verstand weder vergleichen noch bewerten;
denn wenn er vergleicht oder bewertet, ist er
beschäftigt und daher nicht still.

Ein geschäftiger Sinn ist unfähig, etwas klar und
einfach wahrzunehmen.

Lieben bedeutet

(no title)
Lieben bedeutet, sensibel und empfänglich zu sein.

Das Wort Liebe ist nicht Liebe.

Liebe kann nicht aufgeteilt werden in die Liebe zu Gott und
die Liebe zu den Menschen, noch sollte man sie vergleichen
als die Liebe zu dem einen und die Liebe zu vielen.

Die Liebe verschenkt sich selbst im Überfluss, so wie eine
Blume ihren Duft verströmt, aber wir wollen die Liebe in
unseren Beziehungen immer messen und zerstören sie
dadurch.

Die Liebe ist kein Gebrauchsgut des Reformers oder des
Sozialarbeiters; sie ist kein politisches Instrument, mit dem
man bestimmte Aktionen in Gang bringen kann.

Wenn der Politiker und der Reformer von Liebe sprechen,
benutzen sie einfach das Wort und berühren nicht das
wahre Wesen der Liebe, denn Liebe kann nicht als Mittel
zum Zweck benutzt werden, weder jetzt noch in der Zukunft.

Die Liebe findet man auf der ganzen Erde und nicht nur auf
einem bestimmten Feld oder in einem bestimmten Wald.

Die wahre Liebe ist nicht auf eine bestimmte Religion begrenzt,
und wenn organisierte Religionen sie benutzen, hört sie auf zu
existieren.

Gesellschaften, organisierte Religionen und autoritäre
Regierungen zerstören mit der Geschäftigkeit ihrer
verschiedenen Aktivitäten unwissentlich die Liebe, die
zu Leidenschaft des Handelns wird ...

Liebe hat nichts mit Sentimentalität und nichts mit blinder
Ergebenheit zu tun.

Sie ist stark wie der Tod.

Liebe kann man nicht durch Wissen erkaufen, und ein Geist,
der nur nach Wissen ohne Liebe strebt, ist ein Geist, der
rücksichtslos nur sein eigenes Leistungsziel verfolgt.

Wir sind unbedeutende Leute

(no title)
Wir sind unbedeutende Leute, und doch leben wir auch
auf dieser Erde, und wir alle müssen zusammen leben.

Die Welt gehört den Armen ebenso wie den Reichen,
den Analphabeten genauso wie den Gebildeten.

Es ist unsere Welt, und ich denke, dass es sehr
wichtig ist, das zu fühlen und die Erde zu lieben,
und zwar nicht nur gelegentlich, an einem stillen,
friedlichen Morgen, sondern immer.

Wir können nur dann spüren, dass dies unsere Welt ist,
und sie lieben, wenn wir verstehen, was Freiheit ist.

Ist es nun möglich

(no title)
Ist es nun möglich, sich der schönen und
hässlichen Dinge im Leben bewusst zu sein,
sie wahrzunehmen, sie zu beobachten, und
nicht zu sagen „Ich muss das haben“ oder
„Ich darf das nicht haben“?

Haben Sie je etwas genau betrachtet?

Verstehen Sie, meine Herren?

Haben Sie je Ihre Frau beobachtet, Ihre Kinder,
Ihre Freunde – sie einfach betrachtet?

Haben Sie je eine Blume angeblickt, ohne sie
Rose zu nennen, ohne sie in Ihr Knopfloch
stecken zu wollen oder sie nach Hause nehmen
und jemandem geben zu wollen?

Wenn Sie einfach betrachten können ohne all
die Bewertungen des Verstands, dann werden
Sie feststellen, dass Verlangen nicht mehr so
furchterregend ist.

Sie blicken dann ein Auto an, sehen seine
Schönheit, und werden nicht vom Drang oder
Widerspruch des Verlangens eingefangen.

Das erfordert jedoch eine immense Intensität der
Betrachtung, nicht nur einen kurzen Blick.

Es ist nicht so, dass Sie kein Verlangen hätten,
aber der Verstand kann schauen, ohne zu
benennen.

Ich kann den Mond ansehen und muss nicht
sofort sagen: „Das ist der Mond. Sieh nur, wie
schön er ist.“

Es muss sich kein Geplapper des Verstands
einmischen.

Wenn Sie das tun können, werden Sie heraus-
finden, dass in der Intensität der Beobachtung,
des Spürens, der echten Zuneigung Liebe ihre
eigene Tätigkeit entfaltet, die nicht die entgegen-
gesetzte Handlungsweise zum Verlangen dar-
stellt.

Ist es nun möglich

Ist es nun möglich, dass das Denken nicht
aufsteigt und ein Image erzeugt?

Es geht zunächst darum, Verlangen verstehen zu
lernen, und das wiederum ist an sich Disziplin.

Über Verlangen etwas zu lernen ist Disziplin, es
ist aber kein Kontrollieren dabei.

Wenn Sie wirklich etwas lernen über eine Sache,
ist sie damit erledigt.

Wenn Sie jedoch sagen, dass Sie das Verlangen
beherrschen müssen, dann befinden Sie sich auf
einer völlig anderen Ebene.

Wenn Sie die Ganzheit dieser Bewegung sehen,
werden Sie feststellen, dass das Denken mit
seinem Image nicht eingreifen und stören wird;
Sie sehen dann nur und haben Sinnesempfin-
dungen.

Und was sollte daran schlecht sein?

Apfel

Apfel
Mann kann einen Apfel ansehen.

Apfel ist das Wort, mit Hilfe dessen man erkennt,
was da auf dem Bild steht.

Wir wissen jedoch, dass das Wort Apfel nicht der
Apfel ist.

Mein Mann ist auch nicht das Wort Mann.

Erkennen Sie die Feinheiten?

Man muss von Anfang an ganz klar verstehen,
dass das Wort nicht die Sache ist.

Das Wort Verlangen oder Wünschen ist nicht
das Gefühl dessen, was es bezeichnet, dieses
ausserordentliche Gefühl hinter der Reaktion.

Es kommt also darauf an, dass man sich nicht
im Wort verfängt.

Das Gehirn muss aktiv genug sein, um zu sehen,
dass das Objekt Verlangen erzeugen kann –
ein Verlangen, das vom Objekt getrennt ist.

Sind wir uns dessen bewusst, dass das Wort
nicht die Sache selbst ist und dass Verlangen
nicht getrennt ist vom Beobachter, der Verlangen
betrachtet?

Sind wir uns dessen bewusst, dass das Objekt
Verlangen erzeugen kann, dieses Verlangen
jedoch unabhängig vom Objekt ist?

Wenn man Verlangen beobachtet

Wenn man Verlangen beobachtet

Wenn man Verlangen beobachtet, geschieht das
vom Standpunkt eines Aussenseiters aus, der
sich Verlangen ansieht?

Oder betrachtet man Verlangen, während es
aufsteigt?

Dann ist Verlangen nichts von einem selbst
Getrenntes – man selbst ist Verlangen.

Sehen Sie den Unterschied?

Entweder betrachten Sie das Verlangen, das man
hat, wenn man etwas Schönes im Schaufenster
sieht, oder man hat das Verlangen, es zu kaufen,
so dass dieses Objekt getrennt vom Ich ist, oder
das Verlangen selbst ist identisch mit dem Ich,
so dass es eine Wahrnehmung von Verlangen
gibt ohne den Beobachter, der das Verlangen
betrachtet.

Bitte denken Sie daran

Bitte denken Sie daran, dass ich, der ich hier
schreibe, nicht versuche, zu beeindrucken
oder zu führen oder Ihnen zu helfen.

Vielmehr gehen wir gemeinsam auf einem sehr
subtilen und schwierigen Weg.

Wir müssen einander zuhören, um die Wahrheit
im Hinblick auf Verlangen herauszufinden.

Wenn man seine Bedeutung versteht, den Sinn,
die Ganzheit und Fülle und Wirklichkeit von Ver-
langen, dann bekommt Verlangen im eigenen
Leben einen ganz anderen Stellenwert oder
einen anderen Antrieb.

Es ist also wichtig

Es ist also wichtig

Es ist also wichtig, das Wesen von Verlangen zu
verstehen, warum es eine solch herausragende
Rolle in unserem Leben gespielt hat, wie es
Klarheit verdunkelt, wie es die ungewöhnliche
Qualität von Liebe daran hindert, sich zu zeigen.

Es ist wichtig, dass wir es verstehen und nicht
unterdrücken, dass wir Verlangen nicht zu
beherrschen oder in diese oder jene Richtung zu
drängen versuchen, die Ihnen Frieden verspricht.

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