31. Dezember 2007
Von rosanna um 19:38
Wir leben im Rahmen der Bilder, die vom Geist
erzeugt wurden, durch das Denken.
Ständig werden Bilder hinzugefügt und
weggenommen.
Sie haben sich ein Bild von sich gemacht.
Wenn Sie ein Autor sind, dann haben Sie ein Bild
von sich als Autor.
Wenn Sie eine Ehefrau oder ein Ehemann sind,
haben Sie sich ein Bild von sich selbst gemacht.
Das fängt in der Kindheit an, durch Vergleiche,
durch Suggestion, indem uns gesagt wird, wir
müssten so gut wie der andere sein, was wir
tun oder lassen sollen.
Dieser Prozess führt dazu, dass sich Bilder
allmählich anhäufen.
Und in unseren Beziehungen, seien sie intimer
Natur oder weniger nah, gibt es immer ein Bild.
So lange das Bild existiert, riskieren Sie,
verwundet, verletzt oder auf eine andere
Weise bedrängt zu werden.
30. Dezember 2007
Von rosanna um 19:19
Wissen Sie, Freiheit kann es nur geben, wenn
der Geist nicht in Konflikt ist.
Die meisten von uns befinden sich im Konflikt.
Sie hypnotisieren sich selbst oder Sie identifi-
zieren sich mit einem Anliegen, mit einem
Thema, einer Philosophie, mit irgendeiner
Sekte oder einem Glauben – Sie haben sich
damit so identifiziert, dass Sie einfach gebannt
sind und Sie leben in einem Zustand des
Schlafes.
Die meisten von uns sind in Konflikt; das Ende
dieses Konfliktes ist Freiheit.
Wenn Konflikt besteht, können Sie keine Freiheit
haben.
Sie mögen danach streben, Sie mögen sie sich
wünschen, aber Sie können sie nie haben.
29. Dezember 2007
Von rosanna um 19:29
Man fängt also an festzustellen, dass die meisten
unserer Beziehungen in Wirklichkeit auf dieser
Bilderzeugung beruhen, und nachdem man sich
ein Bild gemacht hat, hofft man darauf, eine
Beziehung zwischen zwei Bildern zu begründen.
Wenn Sie eine Ansicht von mir haben und ich
eine Meinung über Sie habe, wie können wir
dann in Beziehung miteinander stehen?
Beziehung existiert nur, wenn sie frei ist, wenn
Freiheit besteht von der Gestaltung von Bildern –
wir werden darauf in den kommenden
Gesprächen noch näher eingehen.
Nur wenn dieses Bild zerbrochen ist und die
Erzeugung von Bildern aufhört, wird der Konflikt
enden, wird es ein endgültiges Ende von
Konflikten geben.
Erst wenn Sie Frieden innen gefestigt haben,
kann der Geist, der nun frei ist, wirklich sehr
weit gehen.
28. Dezember 2007
Von rosanna um 21:30
Dann gibt es nur eine Beziehung zwischen
Menschen – es wird dann keine Beziehung
geben zwischen zwei Bildern, die leblose
Dinge sind.
Es ist sehr einfach.
Sie schmeicheln mir, Sie achten mich, und ich
entwickle ein Image von Ihnen, aufgrund von
Komplimenten oder Kritik.
Ich mache Erfahrungen: Leid, Tod, Konflikt,
Hunger, Not, Einsamkeit.
All das erzeugt ein Image in mir und ich werde
zu diesem Image.
Das Ich in mir wird zum Bild, der Denker ist
dieses Image.
Es ist der Denker, der das Bild erzeugt.
Aufgrund seiner Reaktionen, seien sie physisch,
psychisch, intellektuell oder anders, erzeugt der
Denker, der Betrachter, derjenige, der die Er-
fahrungen macht, das Bild – auf der Grundlage
von Erinnerungen und Gedanken.
Die Maschinerie ist also das Denken, die
Maschinerie entsteht aufgrund von Gedanken.
Gedanken sind notwendig, sonst könnten Sie
nicht existieren.
27. Dezember 2007
Von rosanna um 21:30
Eine echte Beziehung zu begründen heisst also,
das Image zu zerstören.
Verstehen Sie, was es bedeutet, das Image zu
zerstören?
Es heisst, dass Sie Ihr Selbstbild zerstören –
dass Sie ein Hindu seien, dass ich ein Pakistani
sei, ein Muslim, ein Katholik, ein Jude, oder ein
Kommunist und so weiter.
Sie müssen die Maschinerie zerstören, die Bilder
erzeugt, diese Maschinerie, die in Ihnen und in
anderen ist.
Sonst zerstören Sie vielleicht zwar ein Bild, aber
die Maschinerie wird ein neues erzeugen.
Man muss also nicht nur die Existenz des Bildes
entdecken, das heisst, sich des besonderen
eigenen Bildes bewusst sein, sondern man muss
auch die Maschinerie, den Prozess erkennen, der
Bilder erzeugt.
26. Dezember 2007
Von rosanna um 19:19
Ist es also möglich, frei zu sein und überhaupt
nichts auf der seelischen Ebene aufzuzeichnen?
Das ist nur möglich, wenn es vollständige
Aufmerksamkeit gibt.
Wenn umfassende wache Bewusstheit besteht,
gibt es keine Aufzeichnungen.
Ich weiss nicht, warum wir Erklärungen wollen
oder warum unsere Gehirne nicht rasch genug
arbeiten, um diese ganze Sache sofort zu
begreifen, zu erfassen.
Wie kommt es, dass wir nicht die Wahrheit
dessen sehen und diese Wahrheit arbeiten
lassen, um reinen Tisch zu machen und ein
Gehirn zu haben, das auf der psychischen
Ebene nichts speichert?
Aber die meisten Menschen sind bequem und
behäbig, sie ziehen es vor, in ihren alten Mustern
zu leben, in ihren speziellen Gedankenmustern.
Alles Neue weisen sie zurück, weil sie meinen,
dass es viel besser sei, mit dem zu leben, was sie
kennen, als mit dem, was ihnen noch unbekannt
ist.
Im Altbekannten steckt Sicherheit – zumindest
meinen sie, dass dort Sicherheit und Schutz sei -,
also fahren sie damit fort, im Feld dessen, was
ihnen vertraut ist, zu wiederholen, zu arbeiten
und zu kämpfen.
Können wir ohne den ganzen Prozess und ohne
die Maschinerie des funktionierenden
Gedächtnisses beobachten, schauen?
25. Dezember 2007
Von rosanna um 18:12
Ist es wirklich möglich, überhaupt nichts
zu speichern?
Wenn das Gehirn ständig alles aufzeichnet,
was passiert, dann ist es nie frei und bereit,
still zu sein, es kann dann nie zur Ruhe
kommen, friedvoll werden.
Wenn die Maschinerie des Gehirns die ganze
Zeit arbeitet, dann wird es müde und erschöpft.
Das ist offensichtlich.
Das passiert in der Beziehung untereinander –
egal, um welche Art von Beziehung es sich
handelt -, und wenn es eine ständige Auf-
zeichnung von Allem gibt, dann fängt das
Gehirn langsam an, müde zu werden und
zu verwelken.
Das ist dann im Grunde genommen das Alter.
24. Dezember 2007
Von rosanna um 16:16
Anscheinend sind nur sehr wenige unter uns
frei von jeglicher Form von Bildern.
Die Freiheit von Bildern ist echte Freiheit.
In dieser Freiheit gibt es keine Trennung,
die durch Images bewirkt wird.
Wenn man ein Hindu ist, der in Indien geboren
wurde, mit all den Prägungen, denen man dort
unterworfen ist, den Konditionierungen durch
die Rasse oder eine bestimmte Gruppe mit ihrem
Aberglauben oder religiösen Überzeugungen,
Dogmen und Ritualen – die gesamte Struktur
dieser Gesellschaft: dann lebt man mit diesem
Komplex von Bildern, die einen geprägt haben.
Und so viel man auch über Bruderschaft, Einheit,
Ganzheit sprechen mag, sind das alles leere
Worte, die keine tatsächliche Bedeutung im Alltag
haben.
Wenn man sich jedoch von all diesen
aufgezwungenen Prägungen befreit,
von der Konditionierung durch den
ganzen abergläubischen Unfug, dann
zerbricht man das Image.
Und so ist es auch in der Beziehung, wenn man
verheiratet ist oder mit jemandem zusammen
lebt, möglich, überhaupt kein Image zu erzeugen
– Ereignisse, die in der Beziehung schön oder
leidvoll sind, nicht aufzuzeichnen, weder die
Beleidigung noch das Kompliment zu speichern,
weder die Ermunterung noch die Entmutigung.
23. Dezember 2007
Von rosanna um 18:00
Liegt das an unserer Erziehung, weil in unserer
Kultur das Individuum am wichtigsten ist und die
kollektive Gesellschaft etwas ganz anderes als
das Individuum ist?
Das ist Teil unserer Kultur, Teil unserer religiösen
Erziehung und unserer tägliche Prägung.
Wenn man sich ein Bild von sich selbst als Brite
oder Amerikaner macht, dann gibt dieses Bild ein
gewisses Gefühl von Sicherheit.
Das ist ziemlich offensichtlich.
Nachdem man sich dieses Image von sich selbst
geschaffen hat, wird es sehr stabil; in diesem
Image versucht man, Sicherheit zu finden,
Schutz, eine Form von Widerstand.
Wenn man in Beziehung zueinander steht, egal
wie leicht oder tiefgründig, egal ob seelisch oder
körperlich, dann entsteht eine Verhaltensweise,
die auf einem Bild beruht.
Wenn man verheiratet ist oder in einer engen
Beziehung zu jemandem steht, bildet sich im
Alltagsleben ein Image.
Ob man sich erst eine Woche oder schon zehn
Jahre lang kennt, es bildet sich das Image von
der anderen Person langsam, Schritt für Schritt.
Erinnerungen an jede Reaktion tragen zum Bild
bei, das man sich vom anderen macht.
Es wird im Gehirn gespeichert, so dass die
Beziehung – sei sie nun körperlich oder seelisch
– in Wirklichkeit zwischen zwei Bildern stattfindet,
dem eigenen und dem des anderen.
22. Dezember 2007
Von rosanna um 23:00
Wenn Sie richtig beobachten, werden Sie
feststellen, dass Sie ein Image von sich
selbst haben, ein Bild von Überheblichkeit,
das arrogant ist, oder das Gegenteil.
Oder Sie haben eine Menge an Erfahrungen
gesammelt, viel Wissen erworben, und das
führt von sich aus zu einem Image, dem Image
des Experten.
Warum machen wir uns Bilder von uns selbst?
Diese Bilder trennen Menschen voneinander.
Wenn Sie ein Image von sich haben als
Schweizer, Engländer oder Franzose und
so weiter, dann verzerrt dieses Image nicht
nur Ihren Eindruck von Menschen, sondern
es trennt Sie auch von Anderen.
Und wo es Trennung gibt, Spaltung, da muss
Konflikt entstehen – wie es auf der ganzen Welt
ständig Konflikte gibt, Araber gegen Israelis,
Muslime gegen Hindus, eine christliche Kirche
gegen die andere.
Trennungen zwischen Nationen, wirtschaftliche
Teilungen, all das resultiert aus Images,
Konzepten, Vorstellungen, und das Gehirn
klammert sich an diesen Bildern fest – warum?