30. September 2007
Von rosanna um 08:00
Was ist nun dieses Ich, wenn wir es seines
Namens, seiner Eigenschaften und materiellen
Güter entkleiden?
Bleibt denn überhaupt noch etwas von ihm
übrig, wenn es solchermassen blossgestellt
wird?
Die Furcht, ein Nichts zu sein, treibt das Ich zu
rastlosem Sterben, und doch ist es in Wahrheit
ein Nichts, eine gähnende Leere. Wenn wir
imstande sind, diese Leere zu ertragen und
im Schatten ihrer Einsamkeit zu leben, dann
tritt eine grundlegende innere Umwandlung
ein, die aller Furcht ein Ende macht.
Voraussetzung hierzu ist das innere Erleben
dieses Nichts – das aber solange nicht
eintreten kann, wie es ein erlebendes Ich gibt.
Wenn wir nämlich den Wunsch hegen, das
Nichts, die Leere in uns zu erleben, um sie
zu überwinden und darüber hinauszuwachen,
dann kann es nicht zu diesem Erleben
kommen; denn das Ich als „Für-sich-seiendes“
besteht ja weiter.
Sobald das Ich an einem Erleben beteiligt ist,
hat der Zustand reinen Erlebens ein Ende.
Nur wenn wir das, was ist, erleben, ohne ihm
einen Namen zu geben, wird uns die Freiheit
von dem, was ist, zuteilt werden.
(12)
29. September 2007
Von rosanna um 18:38
Warum nur legen wir so grossen Wert darauf,
bemerkt, gewürdigt und anerkannt zu werden?
Warum sind wir solche Snobs?
Warum messen wir unserem Namen, unserer
Stellung, unseren Erfolgen und Errungen-
schaften solche Bedeutung zu?
Ist es eine Schande, ein Unbekannter zu sein?
Warum verzehren wir uns in dem Sterben,
berühmt und bekannt zu werden, statt uns
damit zufriedenzugeben, ganz die zu sein,
die wir sind?
Ist uns Name, Stellung und Erfolg etwa darum
so wichtig, weil wir erschrecken oder schamrot
werden würden, wenn wir uns so sähen wie wir
sind?
Seltsam, wie stark dieses Bedürfnis nach
Anerkennung und Beifall in uns werden kann?
Im Toben einer Schlacht werden um der Ehre
willen die unglaublichsten Taten vollbracht
und um des Heldenruhms willen unschuldige
Mitmenschen hingemordet. Dank seiner
Herkunft und Wendigkeit oder durch Fähigkeit
und Leistung gelingt dem Ehrgeizigen der
steile Aufstieg bis in die Nähe des Gipfels –
aber schon genügt der erste Gipfel nicht mehr;
denn er strebt in der Trunkenheit des Erfolges
weiter zu immer neuen Gipfeln, bis er endlich
sagen kann: Der Staat, das Geschäft oder was
es auch sei, bin ich, ich bestimme das
Geschehen, ich bin die Macht...
(9)
28. September 2007
Von rosanna um 22:22
Du selbst bist nichts. Du magst Namen und
Titel, Eigentum und Bankkonto besitzen, du
magst Macht haben und berühmt sein, aber
trotz aller dieser Sicherungen bist du soviel
wie nichts. Ob du diese Leere, dieses Nichts-
Sein überhaupt nicht empfindest oder ob du
dich einfach blind dagegen stellst, es ist da,
was immer du unternimmst, ihm zu entgehen.
Du magst alle möglichen Umwege machen,
um ihm auszuweichen, ob durch persönliche
oder kollektive Gewaltsamkeit, ob durch
persönliche oder kollektive Verehrung eines
Höheren, ob durch Ansammlung von Wissen
oder durch Jagd nach Vergnügen – du magst
schlafen oder wachen, es ist immer da.
Du kannst deiner Beziehung zu diesem
Nichts-Sein und deiner Angst davor nur
auf die Spur kommen, wenn du dieser
Ausflüchte vorbehaltlos inne wirst.
Deine Beziehung zum Nichts-Sein ist
aber nicht die eines abseitsstehenden
individuellen Wesens; du bist nicht
etwa der Beobachter, der es ins Auge
fasst; denn ohne dich, den Denker, den
Beobachter, ist dieses Wesen überhaupt
nicht vorhanden. Du und das Nichts-Sein
sind ein und dasselbe. Du und das Nichts-
Sein sind eine und dieselbe Erscheinung
nicht etwa zwei getrennte Vorgänge.
(7)
27. September 2007
Von rosanna um 23:43
Diejenigen, die sich stets daran erinnern,
dass sie nichts wissen, und willens ge-
worden sind, alles zu lernen, werden es
lernen.
Jedesmal aber, wenn sie auf sich selbst
vertrauen, werden sie nicht lernen.
Sie zerstören ihre Lernmotivation, indem
sie schon zu wissen meinen.
Denke nicht, dass du irgendetwas verstehst,
solange du nicht die Prüfung des vollkom-
menen Friedens bestehst, denn Frieden
und Verstehen gehen Hand in Hand und
können nie allein gefunden werden.
Ein jedes bringt das andere mit sich.
Sie sind einer dem anderen Ursache und
Wirkung, sodass dort, wo das eine fehlt,
das andere nicht sein kann.
(299.12)
26. September 2007
Von rosanna um 22:42
Nur diejenigen, die begreifen, dass sie nicht
wissen können, wenn die Wirkungen des
Verstehens nicht bei ihnen sind, können
überhaupt wirklich lernen.
Dafür müssen sie Frieden wollen und nichts
anderes.
Jedes Mal, wenn du zu wissen glaubst,
scheidet der Frieden von dir.
Jedes Mal, wenn dir vollauf klar wird, dass
du nicht weisst, kehrt der Frieden wieder,
denn du hast ihn dazu eingeladen, indem
du das Ego zu seinen Gunsten aufgegeben
hast.
Ruf nicht das Ego um irgendetwas an;
nur das brauchst du zu tun.
(299.13)
25. September 2007
Von rosanna um 22:11
Dein Üben muss deshalb auf deiner
Bereitwilligkeit gründen, die ganze
Kleinheit loszulassen.
Der Augenblick, in dem dir die Grösse
dämmert, ist nur so weit entfernt wie
dein Verlangen nach ihm.
So lange, wie du nicht nach ihm verlangst
und dir stattdessen die Kleinheit lieb und
teuer ist, um so viel ist er fern von dir.
Um so viel, wie du ihn willst, bringst du ihn
näher.
Glaube nicht, dass du die Erlösung auf deine
eigene Weise finden und haben kannst.
Gib jeden Plan, den du für deine Erlösung
gemacht hast auf.
Es wird dich zufrieden stellen, und nichts
sonst kann dir Frieden bringen.
(310.2)
24. September 2007
Von rosanna um 19:10
Sie glauben, dass sie leben.
Sie sehen nur, was sie sehen
wollen.
(63)
23. September 2007
Von rosanna um 06:31
Wir sind wie zwei Freunde, die an einem schönen Tag im Park sitzen und über das Leben sprechen, unsere Probleme, die Natur unserer Existenz untersuchen und uns selbst ernsthaft fragen, warum das Leben zu einem so grossen Problem geworden ist, warum unser tägliches Leben eine solche Tretmühle ist, ohne irgendwelche Bedeutung, ausser dass wir überleben – was an sich zweifelhaft ist – obwohl wir intellektuell gesehen sehr welterfahren sind. Warum wurde das Leben, unser Alltag zu einer solchen Plage? Wir gehen vielleicht in die Kirche, mögen einen politischen oder religiösen Führer folgen, aber unser alltägliches Leben ist immer ein Chaos, und obwohl es bestimmte Phasen gibt, die gelegentlich angenehm und vom Glück bestimmt sind, umhüllt doch immer eine dunkle Wolke unser Leben. Und diese beiden Freunde, Sie und der Sprecher, reden gemeinsam in einer freundlichen Art, die vielleicht von Zuneigung, von Sorgfalt, von Bedacht bestimmt ist, ob es möglich sei, unser tägliches Leben ohne Probleme zu leben. Obwohl wir gebildet sind, einen bestimmten Beruf haben, gibt es diese ungelösten Kämpfe, den Schmerz und das Leid und manchmal Freude und das Gefühl nicht vollkommen selbstsüchtig zu sein... und als die beiden Freunde, die im Park auf einer Bank sitzen... in diesem milden Licht, die Sonne scheint durch die Blätter, die Enten schwimmen im Kanal, und wir nehmen die Schönheit der Erde wahr. Lassen Sie uns wie zwischen zwei Freunden reden, die ein langes, ernstes Leben führen, mit all seiner Mühe, sexuellen Problemen, Einsamkeit, Verzweiflung, Depressionen, Sorgen, Ungewissheiten, dem Eindruck der Bedeutungslosigkeit – und am Ende steht immer der Tod.
22. September 2007
Von rosanna um 10:45
Die Meditation hat eine Bedeutung...
im Prozess der Meditation findet
man alle möglichen Formen von
Macht: man wird hellsichtig... all
die okkulten Kräfte werden völlig
unwichtig, und wenn man einen
solchen Menschen nachfolgt, folgt
man etwas nach, das schliesslich
in der Illusion endet.
21. September 2007
Von rosanna um 20:40
Ich kam zwei Monate zu früh zur Welt,
wog keine eineinhalb Kilo und hatte
kaum Überlebenschancen.
Damals blieben so kleine Säuglinge
gewöhnlich nicht am Leben.
Sie schoben mich in die Ecke eines
Brutkastens, als wollten sie sagen:
„Viel Glück, Kleine“, und das war’s
für eine Weile.
Es war perfekt. Ich hatte jede mögliche
Ausrede, weswegen ich vermurkst war.