So unglaublich sexy von Dominique Feusi

Was Frauen von Männern wollen? Der Katalog der Wünsche ist ausführlich, in der Regel nicht erfüllbar. Ein fettes Bankkonto hilft.

Meine Herren, Frauen wollen: einen Beau, der mit dem Kopf im Himmel schwebt, aber mit beiden Beinen im Leben steht, der äusserst erfolgreich ist, jedoch stets Zeit für uns findet, einen Romantiker mit der sexuellen Attraktivität eines bad boy und den Manieren eines Gentleman, einen Fels in der Brandung mit Tarzanschultern und der Verspieltheit eines putzigen, kuscheligen Jungtieres, einen Begleiter, der treu ist wie ein Labrador und geheimnisvoll wie ein Raubtier, einen richtigen Kerl mit Feingefühl, der uns jeden Tag aufs Neue überrascht, pünktlich die Rechnungen bezahlt, uns sagt, wie begehrenswert wir sind, und unaufgefordert die Winterreifen montiert.

Da dieses Modell trotz massenweiser Vorbestellungen nicht lieferbar ist und in diesem Fall die Nachfrage das Angebot leider nicht bestimmt, geben wir uns zwischenzeitlich auch mit folgenden Punkten zufrieden:

1. Ein Mann soll unsere Schönheit preisen
Die Kosmetikindustrie hat längst begriffen, was Männern nur schwer in den Kopf geht: Wenn es um ihre Schönheit geht, wollen Frauen sich charmanten, kunstvoll verpackten, fantasievollen Illusionen hingeben. Wir sind sogar bereit, unsinnig viel Geld dafür auszugeben. Mit dieser Erkenntnis kann man Milliarden umsetzen und/oder die betörendsten Wesen flachlegen. Denn Frauen glauben an «sofort sichtbare Ergebnisse durch neue Anti-Falten-Technologie» und kriegen leuchtende Augen bei «mikrofeinen Edelsteinen, die Ihre Haut verführerisch funkeln lassen». Natürlich glauben wir nicht wirklich daran, so beschränkt sind wir nun auch wieder nicht. Es ist der Gedanke, der beflügelt und erfrischt.

Grundsätzlich ist dem Manne zu raten, seiner Geliebten aufs Geratewohl Komplimente zu machen. Vermeiden Sie jedoch das Minenfeld der Figurfrage, denn egal, wie Sie es meinen, wir werden explodieren. Sagen Sie stattdessen etwas Nettes über unsere Haare. Haare sind eine weibliche Kommunikationsplattform, welche sich dem heterosexuellen Mann – Alain Sutter ausgenommen – bis anhin verschliesst. Lobpreisen Sie ebenfalls unseren Schmuck, die schicken Stiefel und die Handtasche. Was über Ihre Kreditkarte abgerechnet wird, darf Ihnen durchaus ein Kompliment wert sein.

2. Ein Mann muss sich aufs Wesentliche konzentrieren
Wer sich im Naherholungsgebiet vergnügen will, soll nicht von exotischen Destinationen schwärmen. Ob Sie Angelina Jolie für perfekt gepolstert halten oder Ihnen zum Po der Büropraktikantin beflügelte Adjektive einfallen: Wir wollen es nicht wissen. Erzählen Sie es Ihrem besten Freund, oder schreiben Sie es in Ihr Poesiealbum. Und lassen Sie sich keinesfalls mitreissen, wenn wir von den physischen Vorzügen anderer Frauen schwärmen: Das ist eine Falle!

3. Ein Mann darf keinen Smart haben
Wenn Sie einen Möbeltransporter benötigen und einer mit dem Smart anrückt, dann müssen Sie den Transportunternehmer sehr liebhaben, um zu sagen: Och, ist ja alles nur eine Frage der Technik! Natürlich kann man selbst mit einem Smart Berge versetzen, dazu brauchen Sie jedoch Zusatzgerät wie einen Dachträger oder einen Anhänger. Wir sprechen hier aber von Hardware, nicht von Soft Skills. Machen wir es für die Kurzen schmerzlos: Das mit der Technik ist eine Lüge. Die gute Nachricht ist: Wenn Ihre Herzdame dies verneint, liebt sie Sie wirklich.

4. Ein Mann darf im Bett nicht abgehen wie eine Rakete
Raketen haben einen Zehn-Sekunden-Countdown, und während sich der Astronaut bereits in himmlischen Sphären tummelt, läuft das weibliche Triebwerk noch nicht einmal auf Betriebstemperatur. Dann hat nicht Houston, sondern Hannes ein Problem. Meine Freundin Anna rät weiter, sich nicht zu stark an der Tierwelt zu orientieren. «Kurt, nicht wie ein Hase!», pflegt sie ihren Gatten jeweils zu ermahnen.

Eigentlich geht es ganz einfach: Mann stelle sich vor, er fahre zum ersten Mal einen Lamborghini. Da steigt keiner einfach ein, drückt das Gaspedal durch und lässt nach Erreichen der Höchstgeschwindigkeit das Meisterwerk auf dem Pannenstreifen zurück, weil im Fernsehen gleich ein Fussballspiel kommt.

Bewundern Sie die Formschönheit der Karosserie, und machen Sie sich behutsam mit dem Armaturenbrett vertraut. Dann legen Sie geschmeidig den ersten Gang ein und schalten im dritten eine Weile auf Cruise-Control, bevor die Pferdestärken mit Ihnen durchgehen.

5. Ein Mann muss Interesse zeigen
Als ich klein war, hörte mir mein Vater stundenlang zu. Währenddessen bastelte er an seinem Auto, meiner Seifenkiste oder Nachbars Stehlampe rum und murmelte verständnisvoll: «Ja, ja.» Irgendwann in der Pubertät erzählte ich ihm, während er auf einem prähistorischen Mobiltelefon herumdrückte: «Dann haben wir uns alle nackt ausgezogen und Crack geraucht.» Mein Erzeuger murmelte: «Ja, ja.»

Frauen holen weit aus. Was noch lange nicht bedeutet, dass sie irgendwann auf den Punkt kommen. Reden bedeutet nicht zwingend Informationsaustausch. Das ist nur natürlich, oder kennen Sie einen Hühnerhof, auf dem nicht gegackert wird? Wichtig ist, dass der Mann wenigstens so tut, als würde er zuhören. Wenn Sie in die weltbewegende Frage, ob die nächsten Strähnchen eher honigblond oder haselnussbraun werden sollen, mit einbezogen werden, dann gehen Sie im Kopf einfach das letzte Champions-League-Spiel durch und murmeln: «Ja, ja.» Bekanntlich haben Wissenschaftler ermittelt, dass durchschnittlich 20000 Worte pro Tag über weibliche Lippen kommen, wohingegen sich das männliche Mitteilungsbedürfnis auf 7000 beschränkt. Ein harmonisches Miteinander kann also nur entstehen, wenn der Mann den Wortüberschuss scheinbar interessiert absorbiert.

Wenn Sie dann noch sagen: «Mein kleiner Edelstein, deine Haut funkelt so verführerisch!», dann werden Sie den besten Sex Ihres Lebens haben.

6. Ein Mann muss ein Kerl sein
Ein Mann soll furchtlos sein. Er muss sich, selbst wenn er nur mit dem Pflanzenbestäuber bewaffnet ist, in die Gefahren der Nacht stürzen und Haus und Hof verteidigen. Ein Mann soll, ob Computer, Kaffeemaschine oder «das Ding da mit den roten Lämpchen», zu beherrschen wissen. Ein Mann darf nicht jammern. Ein Mann soll, sofern er nicht zum olympischen Schwimmteam gehört, Haare an den Beinen haben. Ein Kerl rasiert sich keine Ornamente in seinen Bart. Ein Mann muss wissen, wo’s langgeht. Im Leben und auf dem Autobahnring von Mailand. Ein Mann soll, kommt ein anderes brünstiges Männchen des Weges, anständig, aber bestimmt sein Revier markieren. Ein Mann kann gut Auto fahren. Ein Kerl ruft auch mal nicht an. Ein Kerl ist ein sturer Bock, mit der Reue eines räudigen Hundes. Ein Kerl weiss sich zu entschuldigen.

7. Ein Mann muss Fingerspitzengefühl haben
Wer Luxusgüter einführen will, muss Zoll bezahlen. Oder, wie der poetische Aufdruck auf dem T-Shirt eines Bauarbeiters besagte, der letzthin höflich für mich zur Seite trat: «Wer ficken will, muss freundlich sein.»

Freundlichkeit ist jedoch erst die halbe Miete, denn wer bleiben und sich vergnügen will, muss Fingerspitzengefühl beweisen. Mit «Ich bin so verspannt, massierst du mich ein wenig?» meinen wir nicht, dass unsere Brüste weh tun. Verfeinern Sie Ihre Fähigkeiten in der Fussreflexzonenmassage, vertiefen Sie Ihr Fachwissen über die Feinmechanik des Frauenkörpers, und wir werden kein Kopfweh mehr haben, sondern Wachs in Ihren Händen sein.

8. Ein Mann muss standhaft sein
«Sie schaut wieder einen dieser Rosamunde-Pilcher-Filme, und danach beklagt sie sich immer, dass ich ihr noch nie ein Schloss gekauft habe», erklärt ein Kollege sein Ausharren am Arbeitsplatz. Dies ist ein bekanntes Problem. Prinzipiell sind alle weiblichen Geschöpfe Prinzessinnen, die weniger bekommen, als sie verdienen. Nicht nur auf dem Arbeitsmarkt. Beziehungstechnisch handelt es sich bei diesem Phänomen jedoch nicht um den «Cinderella-Komplex», sondern um den anfangs besprochenen Missstand zwischen Angebot und Nachfrage. Dass die meisten attraktiven griechischen Reederei-Erben schon von Paris Hilton besetzt sind und die Hübschen unter den Kennedys das Zeitliche segneten, setzt der weiblichen Laune gelegentlich zu. Zeigen Sie Reue, leisten Sie Abbitte, selbst wenn Sie nicht wissen, worum es eigentlich geht. Zickt Ihre Angebetete allerdings beharrlich weiter, dann muss ein Mann auch seinen Mann stehen können. Widersprechen Sie. Vertreten Sie Ihren Standpunkt. Dann fällt uns nämlich wieder ein, weshalb wir Sie so unglaublich sexy finden.

9. Ein Mann muss erfreulich sein
Die moderne Frau sucht keinen Ernährer, sondern jemanden, der sie erquickt, erfreut, beachtet und ihr applaudiert. Grundsätzlich gilt jedoch: Je mehr Glatze und Bauch, desto positiver wirkt sich ein solides Bankkonto auf Ihre sexuelle Attraktivität aus. Wenn Sie schon ein wenig nach Erde riechen, braucht es allerdings mehrere Millionen und Heiratsabsichten ohne Ehevertrag, damit sich ein hübsches Fräulein, welches Ihre Tochter sein könnte, in Ihren Status verliebt. Es stört uns allerdings nicht, dass wir die Hotelübernachtung übernehmen müssen, wenn Sie aussehen wie ein Adonis und man zwischen Ihren Pobacken Nüsse knacken könnte. Apropos Po: Vermeiden Sie schlechtsitzende Anzughosen. Nur weil gesetzlose Billigketten für jedes Budget eine Bürokleidung bereitstellen, ist das der Balz noch lange nicht zuträglich.

10. Ein Mann soll unsere Schönheit preisen
Man darf es ruhig noch einmal sagen.



http://www.weltwoche.ch/artikel/?AssetID=16202&CategoryID=91



Manuel Schoch

»Ich mag Aschtavakra besonders, weil seine Weisheit den Dingen ganz auf den Grund geht. Wie viele Bücher haben wir doch alle schon gelesen über Liebe und Beziehungen, über den Kosmos und dazu, wie wir miteinander umgehen sollten. Und? Hat es uns verändert? Es mangelt nicht an guten Ratschlägen neuer Ansätze zu den uralten Problemen dieser Welt. Religionen haben uns erklärt, wie es sein sollte – nur leider ist es dem menschlichen Denken nicht möglich, dem ›Wie-essein- sollte‹ zu entsprechen.

Intelligenz kann nur aus dem eigenen Beobachten entstehen. Betrachte die gewaltige Tiefe dessen, was Aschtavakra sagt. Lebe im Glück deiner eigenen Natur. Deine Natur ist Glück. Lausche mit deinen Gefühlen, mit deinem ganzen Wesen, diesen einfachen Sätzen, welche die Wahrheit des ganzen Universums enthalten.«  

 

http://www.at-verlag.ch/pages/index.cfm?dom=18&rub=2406&id=101502174

 

Erich Fried

Dich

Dich

dich sein lassen

ganz dich

Sehen

dass du nur du bist

wenn du alles bist

was du bist

das Zarte

und das Wilde

das was sich losreissen

und das was sich anschmiegen will

Wer nur die Hälfte liebt

der liebt dich nicht halb

sondern gar nicht

der will dich zurechtschneiden

amputieren

verstümmeln

Dich dich sein lassen

ob das schwer oder leicht ist?

Es kommt nicht darauf an mit wieviel

sondern mit wieviel Liebe und mit wieviel

Vorbedacht und Verstand

offener Sehnsucht nach allem -

nach allem

was du ist

Nach der Wärme

und nach der Kälte

nach der Güte

und nach dem Starrsinn

und deinem Willen

und Unwillen

nach jeder deiner Gebärden

nach deiner Ungebärdigkeit

Unstetigkeit

Stetigkeit

Dann

ist dieses

dich dich sein lassen

vielleicht gar nicht so schwer.

 

„Alle guten Dinge sind drei.“ Volksweisheit

Was treibt uns an? Was treibt uns um? Was wollen wir erreichen? Was sind unsere Ziele? Wonach streben wir? Menschen haben aus sozialpsychologischer Sicht drei grundlegende Motivationen im Leben.

1. Wissen

„Dass ich erkenne, was die Welt, im Innersten zusammenhält.“ Faust I, Goethe

Wir wollen unsere Welt und uns verstehen. Mit diesem Wissen versuchen wir die bestmöglichsten Ergebnisse zu erzielen. Wir bemühen uns soziale Ereignisse zu verstehen und vorherzusehen, um unsere Umwelt kontrollieren zu können. Diese Motivation ist ein starker Anreiz, um möglichst genaue Aussagen über unsere Welt zu generieren, denn diese versprechen uns eine glaubhafte Orientierung und effektive Führung.

2. Zugehörigkeit

„Liebe ist der Endzweck der Weltgeschichte - das Unum des Universums.Novalis

Menschen suchen nach Zugehörigkeit. Wir möchten ein Zuhause haben, lieben und geliebt werden. Wir möchten von Menschen, die wir mögen und schätzen auch gemocht und geschätzt werden. Wir suchen Gefühle der Zugehörigkeit und möchten sie aufrechterhalten. Wir wollen positive Beziehungen mit anderen.

3. Positive Sicht

Jeder Mensch hat seine guten Seiten. Man muss nur die schlechten umblättern.E. Jünger

Wir möchten uns positiv sehen. Alles, was wir lieb gewonnen haben, was uns teuer ist, was uns ausmacht, möchten wir in einem positiven Licht sehen. Die meisten Menschen bemühen sich, dem positiven Strahlen, dass von ihnen ausgehen soll eine Basis zu schaffen. Wir bemühen uns Gutes zu tun und fühlen uns schlecht, wenn wir unangenehme Seiten an uns entdecken. “Er ist ein guter Mensch, sagen die Leute gedankenlos. Sie wären sparsamer mit diesem Lobe, wenn sie wüssten, dass sie kein höheres zu erteilen haben.” M v. Ebner-Eschenbach

 

http://psychologieblog.de/2006-11-24/motive-des-leben 

 


Vereinigung – Die Lehren des Rumi

Wenn unsere geistlichen Führer und Freunde scheiden und verschwinden, werden sie nicht zunichte. Sie sind dann gleichsam Sterne, die im Sonnelicht der Wirklichkeit verblassen. In ihrem Wesen existieren sie weiter, während sie in ihren Attributen unsichtbar werden.

Dieser Gegenstand ist unerschöpflich. Wenn alle Meere dieser Welt aus Tinte wären, und alle Bäume aller Wälder wären Feldern, und alle Luftatome wären Schreiber, könnten sie dennoch nicht alle Vereinigungen und Wiedervereinigungen reiner, göttlicher Seelen und ihre wechselseitige Liebe schildern.

 

Max Frisch

“Man kann sich nicht niederschreiben. Man kann sich nur häuten.”

Es ist nicht die abgehäutete Haut, die mich neugierig macht,

sondern das neue Leben, das darunter wächst.

 

Denken ist der Widerstand gegen das Fühlen

Alle Probleme und Krisen, die im späteren Leben auftauchen, wie Selbstablehnung, Trennungen oder Abhängigkeiten in unseren Beziehungen, Erfolglosigkeit und Unzufriedenheit im Beruf haben hier ihren Ursprung: im Schock oder Schmerz der Trennung des Kleinkindes und dessen Versuch der Bewältigung durch Abwehr. Abgewehrt wird der Schmerz durch den Versuch einer Erklärung. An dieser Stelle kreieren wir uns unsere Überzeugungen und Vorstellungen. Sie sind also der Versuch die schockartige Erfahrung der Trennung zu bewältigen und damit fertig zu werden. Überzeugungen sind somit immer rationale Erklärungsversuche des Verstandes, die ein schmerzhaftes Gefühl abwehren.

Hier wird verständlich, weshalb wir Menschen die Grundüberzeugung teilen, dass wir von den anderen getrennte Wesen sind. Die Grundüberzeugung und das Grundlebensgefühl der Menschen ist das der Trennung. Überzeugungen sind dazu da, Schmerz zu vermeiden und uns eine sinnvolle Antwort/ Erklärung auf die Erfahrung der Trennung zu geben. Je nachdem, wie schwer das Trauma der Geburt für das Kind ist und wie viel Nähe und emotionale Bindung das Kind in seinen Entwicklungsphasen erhält, werden die rationalen Überzeugungen ausfallen.

Beispiel: „Ich bin nicht gut genug“, Ich bin es nicht wert geliebt zu werden“ „Ich bin unfähig“, „mit mir stimmt etwas nicht“, „das Leben ist ein Kampf“ „Immer bin ich allein“.

Dadurch, dass die Überzeugungen unseren Schmerz erklären, geben sie uns eine vermeintliche Sicherheit. Die Sicherheit unser Leben und unsere Beziehungen zu bewältigen. Sie sollen helfen, uns vor weiterem Trennungsschmerz und der Erfahrung der Ohnmacht und Abhängigkeit zu schützen.

Erschienen im „Wegweiser“

 

 

François Lelord

Bei der Arbeit, erklärte Hector, müsse man beispielsweise drei Sorten wichtiger Dinge unterscheiden: zuerst alles, was wichtig ist, damit die Arbeit gut erledigt wird; zweitens das, was nach Meinung des Chefs wichtig ist; drittens die Dinge, die für uns selbst wichtig sind.

“In einer idealen Welt”, sagte Hector, “sollten es exakt dieselben Dinge sein!”

Der Wert der Einsamkeit von Tobias Kniebe

Sie werde auf eine Party gehen und »ein bisschen das Leben geniessen«, sagte sie – und zwar ohne ihn. Das klingt nicht gut, dachte er, aber es klingt auch nicht superschlecht. Sie war ein anständiges Mädchen, Vertrauen war nicht das Problem zwischen ihnen. Was das Problem war, konnte er selbst nicht recht erklären. Er wusste nur, dass sie eine tolle Frau war und dass er – was auch passieren würde – kämpfen wollte und nicht gleich sagen: Das war’s. Also sagte er, dass er sie gern sehen würde, später in der Nacht. Er legte keinen besonderen Nachdruck in diesen Satz, und sie legte kein besonderes Gewicht in ihre Antwort: »Mal sehen.« Dann aber krochen die Stunden dahin, er lag im Bett und wälzte sich und konnte nicht schlafen, Minute für Minute hoffte er mehr, dass sie auftauchen würde, wartete auf das Klicken ihres Schlüssels im Schloss, auf das Zeichen dafür, dass alles noch gut werden konnte, dass ihr das drohende Ende ihrer Liebe nicht egal war, dass sie mithelfen würde bei dem Versuch, die Dinge wieder ins Lot zu bringen.

 

Das Klicken aber kam und kam nicht – und nie hätte er gedacht, wie sehr er in den folgenden Stunden die Fassung verlieren würde. Er sprach Botschaften auf ihren Anrufbeantworter, obwohl er genau wusste, dass sie nicht zu Hause war. Er fühlte sich so machtlos, dass ihm die Hände zitterten, er weinte verzweifelte Tränen in sein Kopfkissen, und schliesslich begann ein psychischer Sturz ins Nichts, der bis zum Ende der Nacht andauerte. Im Morgengrauen war er der einsamste Mensch der Welt: unendlich schwach, jeder Panzer zerbrochen, existenziell allein.

 

Und erst in diesem Moment dämmerte ihm eine Erkenntnis, auf die er anders nie gekommen wäre: dass er in Sachen Liebe ein Feigling gewesen war. Ja, er hatte es immer schick gefunden, sich nicht eindeutig zu dieser Frau zu bekennen; es schien ihm sicherer, gewisse Gefühle zurückzuhalten; und nie vergass er, offen mit der Möglichkeit zu spielen, dass sie vielleicht doch nicht die Liebe seines Lebens war. Egal, was sie in dieser Nacht getan hatte (nichts Besonderes, wie sich herausstellte) – er wusste am Morgen, dass er sie verloren hatte. So war es auch. Als die Sonne aufging, fasste er jedoch einen Entschluss fürs Leben: in Sachen Liebe für alle Zukunft mutig zu sein.

 

Einsamkeit ist vielleicht das unbeliebteste aller Gefühle, eine Art Paria unter den Emotionen. Berührt man sie, könnte man ja für immer infiziert werden. Als junger Mensch ist man allein, man ist Single, manchmal sogar aus Überzeugung – aber einsam ist man um Gottes Willen nicht. Dafür sind die Freunde und Freundinnen da, dafür gibt es die Clique, dafür spinnt man das ganze soziale Netzwerk, das einen im Ernstfall davor bewahren soll, zu sehr zum Nachdenken zu kommen. Denn eines ist klar: Um echte Einsamkeit zu spüren, braucht man erstens Ruhe und zweitens Mut.

 

Denn niemand hat je behauptet, dass dieser Trip eine angenehme Erfahrung sei. Man muss ihn zulassen, sich in ihn hineinstürzen wie in ein bodenloses Loch, ohne die Gewissheit, irgendwann auf dem Grund zu landen. Vielleicht wird man fallen und fallen und niemals Boden unter den Füssen spüren. Echte Einsamkeit erleben, das heisst auch, jede Sicherheit aufzugeben – all die kleinen Stützen, Lebenslügen, sorgsam gehegten Illusionen. Wer es wagt, diesem gewaltigen Gefühl ins Auge zu blicken, tritt am Ende sich selbst gegenüber. Das kann eine qualvolle Erfahrung sein – und dennoch die wertvollste, die es gibt.

 

Warum sie sich in ihn verliebt hatte, konnte jeder sofort erkennen: Es war sein wunderbarer, gefährlicher Charme, seine Impulsivität und Unbedingtheit, nach der man süchtig werden konnte. Er lebte seine Gefühle einfach aus, so schien es, und wer an seiner Seite war, konnte grosse und wahre Dinge erleben. Alle Frauen liebten das an ihm. Den anderen Teil seines Wesens aber hat sie erst nach und nach kennen gelernt: sein existenzielles Misstrauen, das niemand wirklich durchbrechen konnte, nicht einmal sie. Und eine Gier nach Liebe, mit der er sie immer wieder auf die Probe stellte – grausame, qualvolle Prüfungen, die es ihr kaum erlaubten, ihre Würde zu bewahren. Dazu kam ein Hang, sie immer brutaler wegzustossen, je standhafter sie sich zeigen wollte – als gelte es, an die Grenzen ihrer Liebe vorzustossen, die er ersehnte und gleichzeitig fürchtete. Er war ein Mann, der dauernd austeilen musste, aber selbst nicht einstecken konnte – und es half nichts, ihm zu sagen, dass es reichte. Er wusste ja, dass sie wiederkommen würde.

 

Sie kam immer wieder. Der Grund war ein doppelter: Es hatte einerseits wirklich mit Liebe zu tun, andererseits mit Angst. Angst vor der Leere, die nach ihm kommen würde, Angst vor der Einsamkeit. Vielleicht war ihr ganzes Leben eine Flucht vor diesem Gefühl, vielleicht hatte schon ihr cholerischer Vater ihr unmissverständlich klar gemacht, dass für das Glück, nicht einsam zu sein, ein Preis zu bezahlen war: der Preis des Duldens, des Ausweichens, des Ausgleichens – so war ihre Persönlichkeit darauf trainiert worden, sich in die Ecken zu verflüchtigen, sobald ein starker Wille den Raum betrat. Eines Nachts aber, als er sie wieder einmal davongejagt hatte, mit den übelsten Beschuldigungen und Beschimpfungen – da beschloss sie, der Einsamkeit gegenüberzutreten. Zum ersten Mal in ihrem Leben. Sich in ihre schwarzen Arme zu legen, zu weinen, bis keine Tränen mehr kommen – und zu schauen, ob sie den nächsten Morgen erleben würde. Äusserlich war danach wenig geschehen. Sie ging nur nicht mehr zu ihm zurück. Als er schliesslich vor ihrer Türe stand, die grosse Umkehrung der Verhältnisse, spürte sie nicht mal einen Triumph. Sie sagte ihm nur, dass die Einsamkeit leichter zu ertragen sei als das Leben mit ihm. Und obwohl sie ähnliche Dinge schon tausendmal vorher gesagt hatte, spürte er den Unterschied sofort. Jeder sollte, sagt sie heute, einmal so der Einsamkeit gegenübertreten. Weil diese Erfahrung gerade nicht zum ewigen Alleinsein führt, sondern erst die Möglichkeit schafft, mit einem anderen Menschen glücklich zu werden. Sie hat Freundinnen, die toll aussehen und begehrt sind und es trotzdem nicht schaffen, die Liebe zu finden. Weil für jeden Mann, mit dem es nicht klappt, schon der nächste wartet; weil für jeden Moment, der Erkenntnis bringen könnte, schon wieder eine Party im Kalender steht. So fliehen sie ewig vor dem bitteren und harten Augenblick, der ihr Leben verändern könnte – vor der Wahrheit, die nur in der Einsamkeit zu gewinnen ist. Was diesen Freundinnen fehlt, ist ein starker Wille. Der Wille eines Menschen, der der Einsamkeit ins Auge gesehen und am Ende den Blick nicht gesenkt hat.

 

Der Junge wiederum, der in einer verzweifelten Nacht beschlossen hat, in Sachen Liebe mutiger zu sein – er hat diesen Entschluss nie bereut. Bei der nächsten Frau, die in sein Leben trat, bestimmten plötzlich nicht mehr Zweifel die Beziehung, sondern Hoffnungen. Und plötzlich hatte er die Kraft, sogar die Zweifel der Frau wegzuwischen, die vor ihm schon zu viele Männer getroffen hatte, die in Sachen Liebe Feiglinge waren. Erinnert er sich heute an seinen Sturz in die Einsamkeit, dann spürt er eine gewisse Dankbarkeit. Mutig sein, denkt er dann, ist ja im Grunde doch einfacher als Feigheit. Auf magische Weise fangen die Dinge an, nicht mehr schief zu gehen. Und sollte es doch passieren, man weiss ja nie – dann bleibt eine schöne neue Gewissheit: dass jeder Tag, jedes Wort, jeder Augenblick seinen Einsatz wert war.

money or love? - kalexica

 

Gestern habe ich für einen Freund gekocht und wir haben uns gut unterhalten. Es war ein sehr schöner Abend. Das fand mein Freund auch und deshalb hat er mir zum Abschied einen Zehner in die Hand gedrückt.

Schreckliche Vorstellung (zum Glück hat er mich in Wirklichkeit nur auf einen Absacker in der Bar um die Ecke eingeladen). Normative Vorstellungen schliessen Geld in manchen Situationen als Tauschmedium aus oder verbieten es sogar, über Geld zu sprechen (Wiswede, 1991). Wir tauschen Geld täglich gegen Güter oder Dienstleistungen – gegen Dinge, die messbarer sind als persönliche Gefühle.

Aber Geld gegen Liebe oder Freundschaft? Je eher sich etwas auf uns bezieht, also persönlichen Wert besitzt, desto eher tauschen wir es auch nur gegen das Selbe: Liebe gegen Liebe und Freundschaft gegen Freundschaft (Foa & Foa, 1974).

Wie Du mir, so ich Dir

Wir erhalten Beziehungen tatsächlich nur dann aufrecht, wenn sie für beide Partner ertragreich ist. Und wenn wir die Wahl haben zwischen verschiedenen Beziehungen wählen wir die, die sich für uns am meisten lohnt. Nur wenn wir in einer Interaktion belohnt werden, erhalten wir sie aufrecht.

Diese Austauschtheorie des menschlichen Miteinanders (Homans, 1961) hört sich unangenehm berechnend an. Sie lässt sich aber auf alle Arten von sozialen Beziehungen übertragen: Passe ich mich einer Gruppe an, gibt sie mir Geborgenheit. Kümmere ich mich um meinen Freund, habe ich jemanden mit dem ich Pferde stehlen oder bei dem ich mich ausheulen kann. Nehme ich mir ab und zu Zeit für die einsame alte Dame nebenan, erzählt sie mir spannende Geschichten aus vergangenen Zeiten. Und so hört sich das Ganze wieder humaner, ja fast schon romantisch an.

Fehltausch?

Fühlen wir uns auf dem Basar der Beziehungen über’s Ohr gehauen, dann lehnen wir uns auf oder sind enttäuscht. Wir hören auf, noch mehr Energie, Gefühle oder Zeit zu investieren - auch wenn es manchmal schwer fällt. 

 

http://psychologieblog.de/

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