the white rabbit

Das weisse Kaninchen wird aus einem leeren Zylinder gezogen.
Weil es ein sehr grosses Kaninchen ist, nimmt dieser Trick viele
Milliarden von Jahren in Anspruch. An der Spitze der dünnen
Haare werden alle Menschenkinder geboren. Deshalb können
sie über die unmögliche Zauberkunst staunen. Aber wenn sie
älter werden, kriechen sie immer tiefer in den Kaninchenpelz.
Und da bleiben sie. Da unten ist es so gemütlich, dass sie nie
mehr wagen, an den dünnen Haaren im Fell wieder nach oben
zu klettern. Manche wagen sich auf die gefährliche Reise zu
den äussersten Grenzen von Sprache und Dasein. Einige von
ihnen gehen unterwegs verloren, aber andere klammern sich
an den Kaninchenhaaren fest und rufen den Menschen zu, die
tief unten im weichen Fell sitzen und sich mit Speis und Trank
den Bauch voll schlagen. „Meine Damen und Herren“, rufen sie,
„wir schweben im leeren Raum!“ Aber keiner der Menschen unten
im Fell interessiert sich für das Geschrei der Anderen da oben.

I

Einige meinen, ich sei zu philosophisch veranlagt,
andere wiederum sagen, ich sei komisch und
dritte erzählen ich trete wie ein Wirbelsturm in ein
Leben ein ohne anzuklopfen.

Ich gehe den Weg den ich gehe, manchmal ist er
steinig und mühsam. Dieser Pfad zu gehen ist aber
auch leicht und mühelos. Ich entscheide jeden Tag
selbst, wie der Weg zu Gehen ist und übernehme
die Verantwortung für mein Tun oder Nichtstun.

conviction

Es ist unmöglich, glücklich zu werden, wenn
man gegen seine Überzeugung handelt. Und
wer weiss, wie er zum glücklichen Menschen
werden kann, wird auch versuchen, einer zu
werden. Deshalb wird jemand, der weiss,
was richtig ist, auch das Richtige tun.

Denn kein Mensch möchte ja wohl
unglücklich sein?

sense world and idea world

Über das, was ich wahrnehme oder empfinde, kann ich nur unsichere Meinungen haben. Aber über das, was ich mit der Vernunft erkenne, kann ich sicheres Wissen erlangen. Deswegen bestehe ich aus zwei Teile. Die Sinnenwelt ist eine davon, über die ich nur ungefähre oder unvollkommene Kenntnis erlangen kann, indem ich meine fünf Sinne benutze. In der Sinneswelt gilt, dass alles fliesst und dass dadurch nichts Bestand hat. Die Sinneswelt ist nichts, es gibt darin nur viele Dinge, die entstehen und vergehen.

Die Ideenwelt ist der andere Teil, über die ich zu bestimmtes Wissen erlangen kann, wenn ich meine Vernunft gebrauche. Diese Ideenwelt lässt mich mit den Sinnen also nicht erkennen. Zum Ausgleich sind die Ideen oder Formen ewig
und unveränderlich.

Ich habe einen Körper, der fliesst. Er ist unlösbar mit der Sinnenwelt verbunden und erleidet dasselbe Schicksal wie alles andere hier. Die Sinne sind mit dem Körper verbunden und folglich unzuverlässig. Aber ich habe auch eine unsterbliche Seele und sie ist das Zuhause der Vernunft. Und weil die Seele nicht materiell ist, kann sie einen Blick in die Ideenwelt werfen.


knowledge

Ich weiss genau, dass ich im Grunde sehr wenig weiss.
Deshalb versuche ich immer wieder, zu wirklicher
Erkenntnis zu gelangen.

Mir ist klar, dass ich nichts über das Leben und die Welt
weiss. Und jetzt kommt das Entscheidende: es quält mich
geradezu, dass ich so wenig weiss.

excitingly

Ich finde Philosophie besonders spannend,
weil ich allen Überlegungen mit meinem
eigenen Verstand folgen kann – ohne mich
an alles erinnern zu müssen, was ich in der
Schule gelernt habe.

Ich stelle fest, dass man Philosophie im Grunde
nicht lernen kann, aber vielleicht, kann man
lernen philosophisch zu denken.

experience

Man kann nicht erleben, dass man existiert,
ohne auch zu erleben, dass man sterben muss.

Und es ist genauso unmöglich, darüber nachzu-
denken, dass man sterben muss, ohne zugleich
daran zu denken, wie fantastisch das Leben ist.

possession

Warum kann der Mensch nicht loslassen? Weshalb fällt es ihm so
schwer, sich von Dingen oder Lebensumständen zu befreien,
welche ihn einengen und unfrei machen? Als ich diese Frage
versuchte zu beantworten, stellte ich fest, dass es mir half, meine
eigene Schwäche schmerzhaft mir bewusst zu werden, denn auch
ich häufte in erster Linie immer Angst. Denn aus Angst kann ich nicht
loslassen. Und das führt zur Sucht, nämlich zur Sucht, alles haben zu
müssen, was mir helfen kann, angstfrei zu leben und mir das bestimmte
Gefühl geben kann, unsterblich zu sein: Eigentum, Macht, Ansehen.
Aus Angst und in tiefer Erkenntnis der eigenen inneren Wertlosigkeit
häufte ich in der Aussenwelt Sammlungen und Besitztümer an.

Aber es reichte nie, denn in Wirklichkeit geht es nicht um die äusseren
Dinge, die sind nur Ersatz für die innere Leere. Es ist das tiefe Wissen
der Wertlosigkeit. Man fühlt sich im Inneren immer noch nicht sicher,
denn alles Äussere könnte man immer noch verlieren, durch
Naturereignisse, Börsencrashs, Verbrechen oder Krankheit,
spätestens aber werden wir es alle durch den Tod verlieren.

Wie fühlt es sich an, zu erkennen, dass das Wertvollste und Wichtigste
ist, eine seelische Stärke zu erlangen, die alle Schicksalsschläge
ertragen lässt? Man muss lernen und verstehen loszulassen. Denn
nicht nur ich habe den Besitz, sondern er hat mich auch! Und wenn ich
mich mit ihm identifiziere, dann werde ich gleich wie er und somit
verschwinde ich mit und in ihm.

Lernen und verstehen loszulassen ist gut, vor allem bevor das Leben
einem dazu zwingt.


suicide is wrong

Meine Überzeugung muss ich mir bewusst machen und sie loslassen,
denn es ist Zeit etwas anderes zu lernen. Sünde, so wie sie im Kopf
ersteht, ist nur ein Begriff. Selbstmord ist Leid. Jetzt nicht Urteilen.

Ich muss dem Schmerz dabei helfen, das er heilt, welchen er
verursacht hat. Um ein echtes Opfer zu bringen, muss man wissen,
wann der richtige Zeitpunkt dafür gekommen ist. Wenn ich erkenne,
dass es der Tod ist, dem ich zu letzt ins Auge sehe, dann habe ich
Zeit, das letzte Opfer zu bringen und mich selbst von allen Ängsten
zu befreien. Ich muss alles von mir aufgeben, alles aus meinem
bisherigen Leben, jede einzelne Erinnerung, auch die, die mir gerade
in diesem Augenblick unglaublich teuer ist – und mich wirklich Selbst
opfern.

Ich musste meine Persönlichkeit mit all meinen Gewohnheiten, meinen
Sorgen und Ängsten, meinem Wunsch, alles umzukehren aufgeben,
um in dieser anderen entfernten Welt sein zu dürfen. Alles, was ich
über mich selbst in Erinnerung hatte, habe ich zusammengefasst und
in diese wunderbaren und entfernten Welt gegeben, dessen Weg nur
mein Herz kennt. Diese Welt hat mir Kraft geschenkt, damit der
Schmerz heilen kann.

fear

Ich fahre durch eine kurvenreiche Gegend mit vielen Felsen. Ein Fels erweckt meine Aufmerksamkeit. Ich halte an und bleibe stehen. Bis zu diesem Zeitpunkt bin ich gespalten, ob ich meinen Weg fortfahren oder umkehren soll. Ich habe Angst.

Es ist nicht nur ein Fels, das ich sehe. Es ist ein Land des Überganges. Dem einen mag es wie ein Fels erscheinen, dem anderen vielleicht wie etwas anderes. Die Form, die es annimmt hängt von der persönlichen Wahrnehmung ab. Aber die Form spielt keine Rolle. Das individuelle Bewusstsein sieht das, was es zu sehen bereit ist. Dieses Land des Überganges hat eine besondere Bedeutung, weil es als Brücke zwischen verschiedenen Räumen und Korridoren mir dient, wo bestimmte Eigenschaften mir vorgeführt werden, um festzustellen, welche davon ich annehmen werde. Wenn ein Teil meiner Erinnerung zu sehr auf diese Eigenschaften sich fixiert und nicht in den Rest der Psyche integriert, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass ich in einem der Räume dem „Erinnerungsdämonen“ zum Opfer falle, und dann wird meine Entwicklung und meine Befreiung verzögert werden. Sofern ich mich wirklich entscheide umzukehren.

Ich überlege und stelle fest, dass Übergänge einen grossen Vorteil haben. Sie sind Verbindungstunnel zwischen verschiedenen Dimensionen, und als solche besitzen sie das höchste Potential, die Angst von ihrer ewigen Wanderung zu befreien und mir dabei zu helfen, den nächsten Stadium im Leben zu erreichen. Also, den Weg fortzufahren. Das ist ziemlich schwierig, denn die Angst welche ich verspüre ist eine Urangst, in der alle anderen Ängste vereint werden, wie die Teile eines Puzzles, die am Ende ein Gesamtbild ergeben.

Jede Angst, egal wie gross und fundamental sie einem erscheinen mag, wenn man sie erlebt, ist sie nach wie vor unvollständig, denn sie ist immer ein Teil des Puzzles. Jede Angst – ausser die Angst vor dem Tod – weist auf eine Grenze hin, auf eine Kreuzung. Jedes Mal, wenn ich eine Grenzlinie zwischen unterschiedlichen Zuständen erreiche, empfinde ich Angst, und Angst ist die erste Reaktion auf die Möglichkeit, einen Zustand zu verändern.

Ich setze meinen Weg fort, unwichtig wie lange es noch dauern wird. Am Schluss meiner Reise, stehe ich vor einem Mann. Er hat zwei Jahre im peruanischen Amazonasgebiet gelebt und als ich ihm in die Auge sehe, bin ich glücklich meine Reise fortgesetzt zu haben. Er war der Verbindungstunnel um meine Angst von ihrer ewigen Wanderung zu befreien, damit mein Leben in den nächsten Stadium eintreten kann.

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