31. Mai 2006
Von rosanna um 07:40
Sollte ich vielleicht überall über meine Abgrenzungen hinweg gehen
oder tue ich dies soeben, bin ich gerade daran meine Lektion der
Selbstliebe zu lernen?
Was mache ich nur, wenn ich nie mehr sagen kann: Ich hab dich lieb
oder - eemmmmhh - weisst du was, die Zeit mit dir bedeutet mir sehr
viel. Mache ich das Richtige für mich, habe ich das Richtige für uns
getan? Einerseits, scheint mir alles oft zu eng zu sein, auf der anderen
Seite habe ich ein Verlangen nach Nähe, Geborgenheit und Zärtlichkeit.
Eigentlich, nach dem Vater meines verlorenen Kindes.
In der Depression hat man mehrfach das Gefühl, dass das Leben immer
die Anderen mit der Schokoladenseite beschenkt. Wahrscheinlich hilft
es, sich zu sagen, dass es gar nicht so schlecht ist, wie die Steine
gefallen sind. Das Leben ist ein unbegreifliches Abenteuer. Über viele
Situationen wird bereits im Voraus beurteilt und verurteilt, würde dieses
Merkmal verschwinden, dann wäre das Abenteuer Leben für alle
erträglicher. Nach einem Sturm beginnt man zu Sehen und vor allem zu
Fühlen, dass die Neue Welt, einem mit offenen Armen empfängt, jeder
Mensch wird reich beschenkt - mit Einsicht.
Was mache ich, wenn das Leben etwas anderes für mich vorgesehen
hat? Nichts. Denn meine Medizin heisst, Erkenntnis. Jeder Augenblick
will mir etwas sagen oder zeigen, ohne einen Grund zu haben. Wer
weiss es schon? Auf jeden Fall, habe ich im Moment auch noch keine
Antwort gefunden. Klar, ich erkenne Tendenzen, versuche meine
Gefühle und Stimmungen freizulassen, sie zu verarbeiten und diese
in mein Leben wieder einfliessen zu lassen.
Tief im Innern bin ich der Überzeugung, dass es die Liebe gibt, diese
Intensität von dem alle immer wieder erzählen - diese mächtige
Intelligenz.
30. Mai 2006
Von rosanna um 06:52
Meine Texte sind eine Berichterstattung aus meinem Leben.
Sie basieren auf eigene Erfahrungen und Wahrheiten. Das
sind Eindrücke und Erlebnisse - als denkende Frau – in welcher
Form ich die Welt erlebe.
Bücher und Texte mag ich sehr leiden. Beim Lesen entsteht manchmal
ein unbeschreibliches Gefühl. Ein gelesener Text kann mich erschüttern
oder erfreuen, mich in eine andere Realität bringen oder es kann mich
einfach erstarren lassen. Musst dich in das Gefühl hineinversetzen
können: das alles geschieht aus einem banalen Grund – weil einfache
Wörter zu einem Text verfasst werden, bei dem ich glaube er passe
hervorragend zu meinem Leben. Der Text erzeugt ein Bild, dadurch
entsteht ein Gefühl und im Gefühl erkenne ich mich wieder.
Was ich damit mache, ist nebensächlich – die Handlung ist bedeu-
tungslos, der Inhalt ist massgebend.
Leider muss ich feststellen, dass viele Menschen – und dies trifft
auf zahlreiche Sparten unserer Gesellschaft zu – sich mehr der
Handlung widmen und dem Inhalt überhaupt keine Bedeutung
schenken. Mit meinem Inhalt werde ich bestimmt die Welt nicht
verändern können, aber vielleicht einige Menschen ansprechen.
Es ist ein besonderes Geschenk zu wissen, dass es bereits jetzt
Menschen gibt, welche meine Texte lesen und sich mit dem Inhalt
befassen. Ich glaube nicht, dass sie den Text lesen, weil ich ein
Paar Schuhe trage – dies ist natürlich auch erlaubt.
Ich werde mich immer wieder in verschiedenen Texten erkennen
können und manchmal wird ein Gefühl von Verstanden sein oder
auch ein Gefühl von Zusammengehörigkeit entstehen und darüber
werde ich mich immer wieder von Neuem erfreuen können.
29. Mai 2006
Von rosanna um 06:57
Die Einladung
Es interessiert mich nicht, womit du deinen Lebensunterhalt verdienst.
Ich möchte wissen, wonach du innerlich schreist und ob du den Mut
hast zu träumen, der Sehnsucht deines Herzens zu begegnen. Es
interessiert mich nicht, wie alt du bist. Ich will wissen, ob du riskierst
wie ein Narr auszusehen um deiner Liebe willen, um deiner Träume
willen und des Abenteuers des Lebendigseins.
Es interessiert mich nicht, welche Planeten im Quadrat zu deinem Mond
stehen. Ich will wissen, ob du den tiefsten Punkt deines eigenen Leides
berührt hast, ob du geöffnet bist, von all dem Verrat oder ob du
verschlossen bist aus Angst vor weiterer Qual.
Ich will wissen, ob du mit dem Schmerz- mit deinem oder meinem-
dasitzen kannst, ohne zu versuchen, ihn zu verbergen, ihn zu
mindern oder ihn zu beseitigen.
Ich will wissen, ob du mit der Freude - meiner oder deiner da sein
kannst. Ob du mit Wildheit tanzen kannst und dich mit Ekstase erfüllen
lassen kannst, von den Fingerspitzen bis zu den Zehenspitzen, ohne
uns zur Vorsicht zu ermahnen, zur Vernunft oder die Grenzen des
Menschseins zu bedenken.
Ich will wissen, ob du jemanden enttäuschen kannst, um dir selbst treu
zu sein. Ob du den Vorwurf des Verrates ertragen kannst und nicht
deine eigene Seele verrätst.
Ich will wissen, ob du vertrauensvoll bist und somit
vertrauenswürdig.
Ich will wissen, ob du die Schönheit sehen kannst, auch wenn es nicht
jeden Tag schön ist. Ob du dein Leben aus Gottes Gegenwart speisen
kannst.
Ich will wissen, ob du mit dem Scheitern- meinem oder deinem -
leben kannst und trotz allem am Rande des Sees stehen bleibst
und zu dem Silber des Vollmondes sagst: JA !
Es interessiert mich nicht, wer du bist und wo du hergekommen bist.
Ich will wissen, ob du mit mir in der Mitte des Feuers stehen wirst und
nicht zurückschreckst. Es interessiert mich nicht, wo oder was oder
mit wem du gelernt hast. Ich will wissen, was dich von Innen hält,
wenn alles andere wegfällt. Ich will wissen, ob du allein sein kannst
und in den leeren Momenten wirklich gerne mit dir zusammen bist.
(Oriah Mountain Dreamer)
28. Mai 2006
Von rosanna um 13:20
Sei, der du bist – auch wenn du dich ständig im Kreis deines Egos befindest.
Wichtig ist es zufrieden zu sein. Keinen Wunsch mehr zu äussern,
sondern sich anspruchslos dem geben, was effektiv ist. Ich sage
mir dauernd –sonst würde mir das Leben etwas anderes zeigen–
und es wäre weder schlimmer noch besser. Sondern, es ist immer
so wie es ist und es existiert nichts anders - Punkt.
Vielleicht ist dies der Grund, -und dies steht nur für mich fest–,
dass auf meinem Weg, die Liebe zur Weisheit wird. Für mich ist es
eine weitere Eventualität näher bei der Erkenntnis zu sein.
Oder besser gesagt, sie ist alleine dazu in der Lage, die anderen
Theorien von aussen zu Sehen und zu Verstehen. Trotz allem bleibt
für mich die grösste Herausforderung meines Lebens: das Loslassen,
sowie die Menschheit verstehen.
27. Mai 2006
Von rosanna um 06:47
Wenn die Hoffnung stirbt, dann folgt die narzisstische Krise.
Eine Zeitlang las ich fast täglich von Selbstmordattentaten.
Wie es heute ist, weiss ich nicht, denn ich lese weder die
Zeitung noch schaue ich Nachrichten. Doch ich muss fest-
stellen, dass ausserhalb der Politik, die Akte des Selbstmordes
noch heute tabuisiert wird. Gegen diese Sprachlosigkeit ist es
schwierig anzutreten. Ich glaube, jeder Suizidversuch ist Aus-
druck einer Krisensituation. In diesen Lebenskrisen sucht man
sich dann lieber einen neuen Therapeuten, als dem alten wieder
in die Augen zu schauen.
Wie sinnvoll ist dieses Verhaltensmuster? Meine Erfahrung zeigt mir,
dass man das - allgemeine - Verhalten zwischen Therapeuten und
- mir als - Patientin nach einer Zeitspanne auflösen musste. Wir
haben einen Raum geschaffen - innerlich - wo der Therapeut zum
Vater, Bruder oder sogar zum Mann wird. Und - ich als - Patientin
zur Mutter, Schwester oder sogar zur Frau werde. Nebenbei möchte
ich noch erwähnen, dass es im Ausdruck nicht sichtbar ist, jedoch im
Gefühl. Schaffen wir es gemeinsam, dann retten wir gemeinsam ein
Leben - wessen Leben es im Augenblick ist, hat für uns beide
keine Bedeutung.
26. Mai 2006
Von rosanna um 07:13
Wie kann ich Emotionen in Bezug auf mich selbst und andere
Personen wahrnehmen, ausdrücken und verstehen?
Es gibt immer verschiedene Perspektiven und Theorien. Bei
meinem Spaziergang gestern musste ich feststellen, dass es
nicht ausserordentlich schwer sein kann, wenn ich der anderen
Person, den Raum gewähre, wo sie sich gerade befindet. Das
Rezept dafür ist Mitgefühl und Verständnis, für jeden erlebten
Augenblick meiner Begleitperson. Sie anregen den Weg nicht zu
verlassen, denn am Horizont sieht man bereits die nächste Ab-
zweigung und dies könnte eine neue Chance bedeuten.
Dessen ungeachtet muss sie nicht vergessen, dass es noch lange
gehen kann bis diese Abzweigung wirklich da sein wird. Ich glaube,
man darf die Zeit nicht als real sehen, denn genau das wird zur Falle
des Menschen – oder besser gesagt – ich überliste mich damit.
Ich kann meiner Begleiterin für ihr Leben nichts garantieren, doch kann
ich ihr mein Rezept verraten. Es wäre schön, wenn sie es aus-
probieren würde, vielleicht bringt es nichts, jedoch Schaden wird sie
davon bestimmt auch nicht tragen.
25. Mai 2006
Von rosanna um 10:32
Die grösste Schwierigkeit in meinem Leben ist es, Beziehungen
in der Einfachheit zu leben. Ich habe mich schon daran gewöhnt,
dass jede Beziehung in meinem Leben, mir wie ein Wirbelsturm
begegnet. Ich lasse mich von der Wirkung faszinieren.
So schnell wie die Wirkung kommt, so schnell geht sie aber auch
wieder. Es ist eine Eigenschaft meines Lebens, welche ich häufig
vergesse. Es wird mir erst dann bewusst, wenn der Sturm vorbei
ist und ich mich nackt und leer wieder auf meinem Lebensweg
befinde.
Ich glaube, es ist eine gute Wahl mich zu einer introvertierten Frau
zu entwickeln. Es ist angenehmer, wenn ich mich menschenscheu
und weltabgewandt gebe. Durch diese Handlung, wird jeder Sturm
nicht mehr die gleiche Kraft haben. Vielleicht hinterlässt er sogar
sichtbare Verwüstungen, jedoch werden diese Abbrüche keine
grosse Bedeutung mehr haben.
24. Mai 2006
Von rosanna um 07:01
Deine letzte unbeantwortete Frage gestern abend war – warum
beschenkt sie mich? Aus einem spontanen Gefühl, welches mich
auffordert zu Handeln. Kannst du dir vorstellen, was für ein Gefühl
in mir entstehen kann, wenn ich ein Bekannter oder auch ein Fremder
beschenke? Ein Gefühl von Zufriedenheit und Glück, denn es wird mir
bewusst, dass ich nur durch mein Tun, glücklich sein kann.
Aber damit dieses Gefühl überhaupt entstehen kann, brauche ich
Menschen. Menschen denen ich vielleicht vertrauen kann, Menschen
denen ich möglicherweise meinen Kummer und meinen Schmerz
mitteilen kann. Menschen, die mich nicht Werten und Urteilen, sondern
mich in Ordnung finden – so wie ich bin.
Mit anderen Worten, dich beschenken, ohne dass ich ein Motiv haben
muss. Eigentlich, beschenkst du mich – mit deiner Zeit. Du hast es
richtig wahrgenommen, es ist oftmals keine einfache Sache, die Hand
auszustrecken und zu fragen, hast du Zeit? Durch das ausführliche
Gespräch gestern, sowie durch das Beobachten deiner Bewegungen,
konnte ich erkennen, dass wir Menschen alle gleich sind. Wir leben
alle zur gleichen Zeit auf dem selben Planeten. Wir haben alle unsere
Ängste und Sehnsüchte, auch wenn der andere sie an einem anderen
Ort versteckt hält.
Als wir dann einen Augenblick ganz still am Tisch sassen – ein
Schauer von unbeschreiblichen Gefühlen durchströmten mein
Körper – begann ich zu fühlen, dass ich dir vertrauen musste.
Es ist schön dich zu beschenken, denn dadurch entstehen bei
mir neue Gefühle, sowie neue Einsichten. Ich schätze es sehr,
mit dir in einem derartig vertrautem Innenraum zu sein. Für mich
hast du eine besondere Qualität, das Gefühl der Freiheit und der
Beweglichkeit – bei mir geschieht es – zu vermitteln.
23. Mai 2006
Von rosanna um 06:53
Von Zeit zu Zeit frage ich mich, ob manche Menschen erst dann sich
überaus wohl fühlen, wenn das Gegenüber zu Boden fällt und sich
nicht mehr aufrichten kann.
Ich bin der Überzeugung, dass solche Ereignisse sich zutragen,
wenn sich Gefühle in einem ansammeln. Mit anderen Worten,
wenn im Denken, zum Beispiel Verlustangst, Eifersucht oder
Isolation immer wieder auftaucht. Dann wird einen Schuldigen oder
einen Täter gesucht, damit man die Verantwortung für seine eigene
Gedanken nicht übernehmen muss oder kann. Gedanken spielen sich
dann wie eine dramatische Liebesgeschichte ab. Die Realität sieht aber
ganz anders aus, als die tragische Liebesgeschichte, welche man sich
selber ausmalt.
Diese Sehnsucht muss enorm gross sein, dass man seine gedachte
- nicht reelle - Liebesgeschichte verwirklichen muss, indem man vieles
zerstört. Es wäre von Vorteil die Augen zu öffnen und zu sehen, dass
gar nichts, überhaupt nichts von all dem vorhanden ist – ausser der
Film der Gedanken.
Ich glaube, das einfachste wäre, endlich anzufangen Vertrauen zu
kultivieren. Sich bewusst werden, dass der Liebesfilm sich nur in den
eigenen Gedanken abspielt. Die Realität sieht ganz anders aus.
Für mich sieht die Wirklichkeit - als eigenständiger Individuum auf
dieser Erde - wie folgt aus: Es gibt Menschen, welche unbewusst
beherrschen und besitzen wollen. Tagtäglich schauen sie sich den
eigenen Film an und merken nicht, dass die Realität ganz anders
aussieht. Es ist eine freie Entscheidung, jedoch es wäre Vorteilhaft
– das glaube ich zumindest -, wenn man den eigenen Film nicht
auf kosten von Unschuldigen realisieren müsste.
22. Mai 2006
Von rosanna um 13:05
Das Heilsversprechen in unserer Gesellschaft ist die Liebe.
Der Kern des Scheiterns liegt darin, dass wir verliebt sind,
bevor wir verliebt sind. Anders gesagt: Wir sind bereits Liebende
und vor allem Liebesdurstige, die nur auf der Suche nach einem
Objekt sind – eben für diese Liebe. Der Wunsch zu Lieben ist vor
der Liebe da. Wir projizieren unsere Sehnsüchte auf die andere
Person. Wir meinen im Zustand der Verliebtheit, keinen Fehler am
Anderen zu erkennen. Wir halten ihn für die genau richtige Person
für uns. Bis wir ihn oder sie richtig kennen lernen. Denn auch wenn
es vereinzelt möglich sein kann, seine „verlorene Hälfte“ zu finden,
ist es tatsächlich kaum möglich, dass unser Partner oder unsere
Partnerin genau unserem Idealbild entspricht.